In meinem Herzen lauern Misstrauen und gemeine Angst, Scham und Hass; aber über allem thront die tyrannische Liebe, gekrönt von ihren Gnaden, still und in Tränen aufgelöst.
- William Hazlitt

Klugwort Reflexion zum Zitat
William Hazlitt beschreibt in diesem Zitat die innere Zerrissenheit menschlicher Emotionen. Er offenbart ein Herz, das mit negativen Gefühlen wie Misstrauen, Angst, Scham und Hass erfüllt ist – doch trotz allem thront darüber die Liebe. Diese Liebe ist jedoch keine sanfte, tröstende Kraft, sondern eine „tyrannische“ – allmächtig, aber zugleich zerbrechlich, von Tränen aufgelöst.
Diese Metapher zeigt die Ambivalenz der Liebe: Sie ist eine erhabene Kraft, aber sie kann auch schmerzhaft und überwältigend sein. Sie herrscht über alle anderen Emotionen, doch sie ist nicht unantastbar – sie leidet selbst unter der Schwere der menschlichen Erfahrung. Hazlitt beschreibt damit ein tiefes, fast tragisches Verständnis der Liebe, die sich nicht immer in Glück äußert, sondern oft auch in Qual.
Das Zitat regt dazu an, über die Natur der Liebe nachzudenken. Ist sie wirklich immer sanft und gütig, oder trägt sie nicht auch eine zerstörerische, tyrannische Komponente in sich? Können wir sie wirklich kontrollieren, oder sind wir ihr ausgeliefert? Hazlitts Worte zeigen, dass Liebe nicht nur ein romantisches Ideal ist, sondern eine Kraft, die das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen überlagert.
Kritisch könnte man fragen, ob Liebe wirklich so schmerzlich sein muss, oder ob dies nicht eher eine überdramatisierte Sichtweise ist. Doch Hazlitts Zitat verweist auf eine tiefe Wahrheit: Liebe ist nicht nur Glück, sondern auch Angst, Unsicherheit und manchmal sogar Schmerz. Sie bleibt jedoch die mächtigste aller Emotionen – eine, die trotz aller inneren Konflikte über allem steht.
Zitat Kontext
William Hazlitt (1778–1830) war ein englischer Schriftsteller, Essayist und Kunstkritiker, bekannt für seine tiefgründigen Reflexionen über menschliche Natur, Emotionen und Gesellschaft. Er analysierte oft die Widersprüche der menschlichen Psyche und brachte sie in poetischen, bildhaften Worten zum Ausdruck.
Das Zitat steht im Kontext seiner Betrachtungen über die Macht der Gefühle und insbesondere der Liebe. Hazlitt sah Liebe nicht nur als Ideal, sondern auch als eine Kraft, die den Menschen überwältigt und ihn in innere Kämpfe verwickelt. Seine Schriften zeigen oft eine Mischung aus Bewunderung für die Liebe und einem tiefen Verständnis ihrer tragischen Aspekte.
Historisch betrachtet, entstand dieses Zitat in einer Zeit der Romantik, in der Emotionen, Leidenschaft und das Ringen mit dem eigenen Inneren eine zentrale Rolle spielten. Die romantische Literatur dieser Epoche beschäftigte sich intensiv mit der Ambivalenz der Liebe – als höchste Erfüllung, aber auch als Quelle tiefen Leidens.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In einer Zeit, in der Liebe oft idealisiert wird, erinnert Hazlitt daran, dass sie nicht nur eine Quelle des Glücks ist, sondern auch Ängste, Zweifel und Schmerz mit sich bringt. Seine Worte laden dazu ein, die vielschichtige Natur der Liebe zu akzeptieren – als etwas, das uns formt, fordert und manchmal sogar tyrannisiert.
Daten zum Zitat
- Autor:
- William Hazlitt
- Tätigkeit:
- englischer Essayist, Literaturkritiker und Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion