Es läßt sich fassen, daß der Ekel vor der Schlechtigkeit der Menschen in einem edlen Gemüt bis zum Grauen vor dem Dasein, bis zur herben Unempfindlichkeit gegen die leuchtende Schönheit der Welt steigen kann.

- Friedrich Hebbel

Friedrich Hebbel

Klugwort Reflexion zum Zitat

Friedrich Hebbel beschreibt hier ein tiefes existenzielles Dilemma: Wie kann ein empfindsamer Mensch angesichts der Schlechtigkeit der Welt weiterhin Schönheit und Freude empfinden? Er zeigt, dass moralische Enttäuschung so weit gehen kann, dass sie den Blick für das Gute verdunkelt.

Dieses Zitat fordert uns auf, über die Wechselwirkung zwischen Moral, Idealismus und Realität nachzudenken. Menschen, die hohe ethische Ansprüche an sich und andere stellen, sind oft besonders anfällig für Enttäuschung. Wenn die Welt nicht den eigenen Idealen entspricht, kann das zu Verbitterung und Resignation führen.

Es stellt sich die Frage: Ist es möglich, an die Schönheit der Welt zu glauben, ohne ihre Schattenseiten zu ignorieren? Oder führt ein scharfer moralischer Blick zwangsläufig zu Desillusionierung? Hebbel zeigt, dass der Konflikt zwischen Ideal und Wirklichkeit eine tiefe Belastung für den Geist sein kann.

In einer Zeit, in der viele Menschen von Ungerechtigkeit und Korruption enttäuscht sind, bleibt Hebbels Einsicht relevant. Sie erinnert uns daran, dass der Erhalt von Hoffnung und Sensibilität in einer fehlerhaften Welt eine Herausforderung ist – aber auch eine Notwendigkeit, um nicht in Zynismus zu verfallen.

Zitat Kontext

Friedrich Hebbel (1813–1863) war ein deutscher Dramatiker und Dichter, dessen Werke oft von existenziellen und moralischen Fragen geprägt waren. Er setzte sich intensiv mit dem Konflikt zwischen Ideal und Realität auseinander.

Dieses Zitat steht im Kontext seiner pessimistischen Sicht auf die Welt. Hebbel erkannte, dass Menschen mit hohen moralischen Idealen besonders stark unter der Realität menschlicher Schwächen leiden können. Dies führt oft zu einem inneren Kampf zwischen Hoffnung und Resignation.

Seine Worte bleiben auch heute bedeutsam. Viele Menschen, die sich für Gerechtigkeit und moralische Werte einsetzen, erleben Enttäuschungen, wenn sie mit der Realität der Welt konfrontiert werden. Hebbel zeigt, dass es eine Herausforderung ist, sich diese Enttäuschung nicht zur alles bestimmenden Lebenseinstellung werden zu lassen.

Daten zum Zitat

Autor:
Friedrich Hebbel
Tätigkeit:
deutscher Dramatiker und Lyriker
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion