Es gibt Verbrechen, die unschuldig, ja sogar ruhmreich werden durch ihren Glanz, ihre Zahl und ihre Größe; daher kommt es, daß die öffentlichen Diebstähle Heldentaten genannt werden und daß ohne jedes Recht Provinzen wegnehmen Eroberungen machen heißt.

- François de La Rochefoucauld

François de La Rochefoucauld

Klugwort Reflexion zum Zitat

François de La Rochefoucauld zeigt in diesem Zitat seine scharfe Kritik an den gesellschaftlichen Mechanismen, die moralische Kategorien wie Verbrechen und Heldentaten verdrehen. Er thematisiert die Doppelmoral, mit der große Verbrechen, wenn sie durch Macht, Einfluss oder Erfolg legitimiert werden, als ruhmreich dargestellt werden können. Besonders bezieht er sich hier auf Eroberungen und Diebstähle im großen Maßstab, die nicht als Unrecht, sondern als glorreiche Taten in der Geschichte verankert werden.

Dieses Zitat ist eine subtile Anklage gegen Machtstrukturen, die es den Mächtigen ermöglichen, Verbrechen in Tugenden umzudeuten. Es erinnert daran, dass moralische Urteile häufig von der Perspektive abhängen, die der Gewinner der Geschichte vorgibt. Die Kritik La Rochefoucaulds zielt darauf ab, den Leser zum Nachdenken darüber anzuregen, wie leicht Werte wie Gerechtigkeit oder Recht unter dem Einfluss von Macht und Prestige verzerrt werden können.

Die Aussage bleibt bis heute aktuell, insbesondere im Kontext von globalen Konflikten und politischer Macht. Sie fordert dazu auf, kritisch zu hinterfragen, ob vermeintliche Heldentaten tatsächlich moralisch legitimiert sind oder ob sie nicht vielmehr die Fortsetzung von Unrecht mit anderen Mitteln darstellen. Das Zitat stellt die Frage, wie wir als Gesellschaft mit dieser verzerrten Wahrnehmung umgehen sollten.

Zitat Kontext

François de La Rochefoucauld (1613–1680) war ein französischer Schriftsteller und Moralist, der für seine scharfsinnigen und oft zynischen Reflexionen über die menschliche Natur und gesellschaftliche Verhältnisse bekannt ist. Seine *Maximen* sind eine Sammlung von Aphorismen, die universelle Wahrheiten und Paradoxien des menschlichen Verhaltens beleuchten.

Dieses Zitat stammt aus einem historischen Kontext, in dem Europa von Kriegen, Eroberungen und dynastischen Rivalitäten geprägt war. Herrscher und Staaten strebten nach territorialer Expansion, oft ohne Rücksicht auf ethische oder rechtliche Prinzipien. La Rochefoucauld reflektiert hier die Doppelmoral der Machtpolitik: Taten, die im individuellen Rahmen als Verbrechen gelten würden, werden auf staatlicher Ebene als Heldentaten gefeiert, wenn sie von Erfolg gekrönt sind. Der Begriff ‚Eroberung‘ verdeutlicht, wie Sprache genutzt wird, um Unrecht zu legitimieren.

Seine Aussage ist zeitlos und bietet eine kritische Linse, um Machtstrukturen und politische Narrative zu analysieren. Sie regt dazu an, auch moderne Konflikte, in denen Ressourcen, Territorien oder Ideologien im Spiel sind, kritisch zu hinterfragen. Indem La Rochefoucauld die Ironie solcher Mechanismen offenlegt, fordert er die Leser dazu auf, ethische Prinzipien über politischen Glanz und historische Erzählungen zu stellen.

Daten zum Zitat

Autor:
François de La Rochefoucauld
Tätigkeit:
französischer Adliger, Soldat und Schriftsteller
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion