Es gab Jahrhunderte, wo die Menschheit mit verbundnen Augen geführt wurde – von einem Gefängnis ins andere; – es gab andere Jahrhunderte, wo Gespenster die ganze Nacht polterten und umstürzten, und am Morgen war nichts verrückt; es kann keine andern Jahrhunderte geben als solche, wo Einzelwesen sterben, wenn Völker steigen, wo Völker zerfallen, wenn das Menschengeschlecht steigt; wo dieses selber sinkt und stürzt und endigt mit der verstiebenden Kugel... Was tröstet uns? – Ein verschleiertes Auge hinter der Zeit, ein unendliches Herz jenseits der Welt.
- Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat
Jean Pauls Worte zeichnen ein nachdenkliches und zugleich düsteres Bild der Menschheitsgeschichte, geprägt von Zyklen aus Unterdrückung, Chaos und Wandel. Er stellt die Vergänglichkeit aller Dinge in den Mittelpunkt: Einzelne sterben, während Gesellschaften aufblühen; Völker zerfallen, während die Menschheit als Ganzes wächst – bis sie schließlich selbst vergeht. Dieses universelle Schicksal beschreibt er mit poetischer Tiefe und stellt die Frage nach dem Trost in einer scheinbar endlosen Abfolge von Aufstieg und Verfall.
Das Zitat lädt dazu ein, über den Sinn von Fortschritt und die Vergänglichkeit des Lebens nachzudenken. Es zeigt, dass jeder Wandel, ob positiv oder negativ, letztlich Teil eines größeren kosmischen Plans ist. Jean Paul bietet Trost durch die Idee eines 'verschleierten Auges hinter der Zeit' und eines 'unendlichen Herzens jenseits der Welt'. Dies symbolisiert eine höhere Macht oder eine spirituelle Dimension, die uns über die Endlichkeit hinaus Hoffnung gibt.
Seine Worte erinnern uns daran, das Leben nicht nur in den kleinen Zyklen des Auf- und Abstiegs zu sehen, sondern es im Kontext eines größeren Ganzen zu betrachten. Sie laden dazu ein, Vertrauen in das zu finden, was jenseits unserer begrenzten Wahrnehmung liegt, und darin Trost und Sinn zu entdecken.
Zitat Kontext
Jean Paul (1763–1825), ein deutscher Schriftsteller der Spätaufklärung und Romantik, war bekannt für seine tiefgründigen Reflexionen über das Leben, die Zeit und die Menschheit. Dieses Zitat stammt aus seinen Überlegungen über die Zyklen der Geschichte und die Vergänglichkeit menschlicher Errungenschaften.
In einer Epoche, die von Revolutionen und Umbrüchen geprägt war, sprach Jean Paul oft von der Unbeständigkeit von Gesellschaften und der Suche nach einem tieferen Sinn. Seine Worte reflektieren eine romantische Weltsicht, die sowohl die Tragik als auch die Erhabenheit des menschlichen Daseins betont. Der Trost, den er beschreibt, wurzelt in einer spirituellen Dimension, die über das Sichtbare hinausgeht.
Dieses Zitat bleibt zeitlos, da es die universellen Themen von Wandel, Vergänglichkeit und Hoffnung anspricht. Jean Paul erinnert daran, dass trotz aller Veränderungen und Herausforderungen ein größerer Zusammenhang existiert, der uns Halt geben kann – eine Botschaft, die in jeder Epoche tröstlich ist.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean Paul
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion