Ein Hasenschicksal Zwei Freunde duellieren sich; Warum? ist schwer zu sagen, Es gilt ja gleich, aus welchem Grund, Wenn man sich nur geschlagen. Der erste schießt, die Kugel fehlt Und wühlt sich in den Rasen, Doch aus dem Neste scheucht der Knall Den feigsten aller Hasen. Er eilt von dannen überquer Da schießt der zweite eben, Auch dieser trifft nicht, doch sein Ball Raubt unserm Matz das Leben. Nun reichen beide sich die Hand, Sie sind ja nicht von Eisen, Und werden beim Versöhnungsschmaus Den Hasen gleich verspeisen.

- Friedrich Hebbel

Friedrich Hebbel

Klugwort Reflexion zum Zitat

In diesem Gedicht von Friedrich Hebbel wird auf eine ironische und satirische Weise die Unbedeutendheit und Sinnlosigkeit von Konflikten thematisiert. Zwei Freunde duellieren sich, doch der Grund für ihren Streit bleibt unklar. Die Tatsache, dass der erste Schuss das Ziel verfehlt und lediglich den Hasen aus seinem Nest vertreibt, bevor der zweite Schuss das Leben des Tieres raubt, verdeutlicht die Absurdität des Konflikts. Die beiden Duellanten, die sich nach dem gescheiterten Kampf die Hand reichen und sich am Hasen gütlich tun, stellen das Fehlen eines tieferen Zwecks für ihre Auseinandersetzung bloß.

Hebbel kritisiert hier auf subtile Weise die menschliche Neigung zu Konflikten und Gewalt, die oft ohne klare Gründe oder tiefere Überzeugungen entstehen. Der Hasenmetaphorismus verweist auf die Verletzlichkeit der unschuldigen Opfer in solchen Konflikten, die von den Kämpfenden nicht einmal wahrgenommen werden. Die Versöhnung der beiden Duellanten, die beim Mahl den Hasen verspeisen, stellt die Leichtfertigkeit dar, mit der die Konsequenzen ihrer Handlungen ignoriert werden. Der Genuss am Versöhnungsschmaus, der zugleich das Opfer verschlingt, ist eine scharfe Kritik an der Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid, das durch die eigenen Handlungen verursacht wird.

Das Zitat fordert zur Reflexion über die Sinnlosigkeit und die Opfer von Konflikten auf, besonders wenn diese ohne einen erkennbaren Zweck oder ohne echtes Verständnis geführt werden. Es ist eine Reflexion über menschliche Eitelkeit, die in der Duellmentalität und der Absurdität der Gewalt gipfelt.

Zitat Kontext

Friedrich Hebbel war ein deutscher Dramatiker und Lyriker des 19. Jahrhunderts, dessen Werke sich oft mit gesellschaftlichen und psychologischen Themen beschäftigten. In seinen Gedichten und Dramen thematisierte Hebbel häufig die Widersprüche der menschlichen Natur, die Absurdität sozialer Normen und die Tragik des menschlichen Daseins. Dieses Gedicht ist ein gutes Beispiel für Hebbels Verwendung von Ironie und Satire, um die Doppelmoral und die Sinnlosigkeit von Konflikten zu hinterfragen.

Im historischen Kontext, als Europa von politischen Unruhen und Konflikten geprägt war, bietet Hebbel eine kritische Reflexion über den menschlichen Drang zu kämpfen und zu zerstören, auch wenn der Grund für den Konflikt oft schwer fassbar oder sogar völlig belanglos ist. Das Gedicht ist eine scharfsinnige Analyse der menschlichen Natur, die in scheinbar bedeutungslosen Kämpfen und Konflikten ihre Entfaltung findet, ohne dass der wirkliche Wert oder das Endziel dieser Auseinandersetzungen erkennbar wird.

Die Ironie, dass die beiden Freunde nach ihrem sinnlosen Duell den Hasen verzehren, ist ein metaphorisches Bild für die menschliche Neigung, die Konsequenzen ihrer eigenen Taten zu ignorieren und sich ohne Reue oder tiefere Reflexion dem Genuss des Augenblicks hinzugeben.

Daten zum Zitat

Autor:
Friedrich Hebbel
Tätigkeit:
deutscher Dramatiker und Lyriker
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion