Dogmatismus und Skeptizismus sind beide in gewissem Sinne absolute Philosophien; die eine ist sich ihres Wissens sicher, die andere ihres Nichtwissens. Was die Philosophie abschaffen sollte, ist die Gewissheit, ob es sich nun um Wissen oder Unwissenheit handelt.

- Bertrand Russell

Bertrand Russell

Klugwort Reflexion zum Zitat

Bertrand Russell kritisiert in diesem Zitat sowohl den Dogmatismus als auch den Skeptizismus, indem er sie als zwei extreme, 'absolute' Philosophien darstellt. Der Dogmatismus ist von einer festen Überzeugung geprägt, die das Wissen für absolut und unumstößlich hält. Der Skeptizismus hingegen zweifelt an allem und ist ebenso sicher in seinem Nichtwissen. Beide Haltungen, so Russell, führen zu einer gefährlichen Gewissheit, die den intellektuellen Fortschritt behindert. Was die Philosophie, in Russell's Verständnis, eigentlich anstreben sollte, ist ein Zustand der Offenheit, in dem die Gewissheit über das Wissen und das Nichtwissen aufgegeben wird.

Diese Haltung von Russell ist ein Aufruf zu intellektueller Demut und kritischem Denken. Er plädiert dafür, die Frage nach der Wahrheit immer offen zu lassen und sich nie in einer Starrheit von festen Überzeugungen oder unbegründeten Zweifeln zu verlieren. Denn wahre Erkenntnis entsteht oft nicht in der absoluten Gewissheit, sondern in der ständigen Bereitschaft zur Hinterfragung und zur Anpassung an neue Erkenntnisse. Das Zitat fordert uns heraus, die eigene Denkweise zu reflektieren und offen für neue Perspektiven zu bleiben, anstatt in den engen Grenzen des Dogmatismus oder der blinden Skepsis zu verharren. In einer Welt, die oft von extremen Meinungen geprägt ist, ist dies eine Einladung, sich der Komplexität und der Vielschichtigkeit des Wissens zu stellen, anstatt einfache Antworten zu suchen.

Russell fordert uns zu einer Philosophie des ständigen Zweifelns, Lernens und Öffnens auf. Anstatt an festen Wahrheiten festzuhalten, sollten wir uns immer wieder die Frage stellen, was wir wirklich wissen können und wie weit unsere Erkenntnisse tatsächlich reichen. Nur so können wir als Gesellschaft und als Individuen zu einer tieferen, nuancierteren Erkenntnis gelangen.

Zitat Kontext

Bertrand Russell war ein britischer Philosoph, Mathematiker, Logiker und Sozialkritiker, der als einer der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts gilt. Er war ein Vertreter des empirischen Rationalismus und setzte sich stark für die Bedeutung des wissenschaftlichen Denkens und der Logik in der Philosophie ein. Russell war zudem ein leidenschaftlicher Pazifist und Kritiker politischer Dogmen sowie religiöser Autorität. Er war bekannt für seine klaren und prägnanten Schriften, in denen er komplexe philosophische Konzepte zugänglich machte.

Dieses Zitat stammt aus einer Zeit, in der philosophische Strömungen wie der Dogmatismus und der Skeptizismus weit verbreitet waren. Der Dogmatismus, oft mit einer dogmatischen Religionsauffassung oder politischen Überzeugung verbunden, vertritt die Ansicht, dass bestimmte Wahrheiten absolut und unbestreitbar sind. Der Skeptizismus hingegen ist die Haltung des Zweifels und des Misstrauens gegenüber jeglichem Wissen oder den Ansprüchen auf Wahrheit. Russell jedoch plädiert in diesem Zitat dafür, beide Extreme zu überwinden und zu einer Philosophie des Infragestellens und der Offenheit zu kommen.

Russells Philosophie war in vielerlei Hinsicht eine Reaktion auf die dogmatischen Systeme seiner Zeit, sei es in der Religion, der Politik oder der Philosophie. Durch seine Betonung des kritischen Denkens und der Logik wollte er die Menschen dazu anregen, über die Selbstverständlichkeit von "Wahrheiten" nachzudenken und den Glauben an absolute Gewissheiten zu hinterfragen. Diese Philosophie fand besonders in der Aufklärung und der Entwicklung der modernen wissenschaftlichen Methode Widerhall, wo die Idee der ständigen Prüfung von Hypothesen und der Unsicherheit des Wissens eine zentrale Rolle spielt. Russells Kritik an Dogmatismus und Skeptizismus ist daher nicht nur eine philosophische Haltung, sondern auch ein Aufruf zu einer offenen, flexiblen und sich ständig weiterentwickelnden Denkweise, die sich nicht von starren Wahrheiten oder unbegründetem Zweifel beherrschen lässt.

Daten zum Zitat

Autor:
Bertrand Russell
Tätigkeit:
brit. Philosoph, Mathematiker, Logiker, Historiker, Schriftsteller
Epoche:
Moderne
Emotion:
Keine Emotion