Diejenigen, die von den Sorgen dieses Lebens verschont geblieben sind, sind gezwungen, auf die Hoffnungen und Ängste des nächsten Lebens zurückzugreifen, um die Aussichten zu verbessern, die sie haben.
- William Hazlitt

Klugwort Reflexion zum Zitat
Hazlitt beschreibt in diesem Zitat ein interessantes psychologisches Phänomen: Menschen, die in ihrem Leben kaum Sorgen haben, neigen dazu, sich mit der Ungewissheit des nächsten Lebens zu beschäftigen. Während diejenigen, die mit existenziellen Problemen kämpfen, ihren Fokus auf das Hier und Jetzt richten müssen, suchen andere nach Sinn in metaphysischen Fragen.
Diese Beobachtung trifft besonders auf Gesellschaften oder Individuen zu, die materiell abgesichert sind. Wer keine drängenden Alltagsprobleme hat, beginnt oft, über das Jenseits, spirituelle Fragen oder existenzielle Ängste nachzudenken.
Das Zitat fordert uns auf, über unsere eigenen Prioritäten nachzudenken. Sind wir mehr mit dem Hier und Jetzt beschäftigt oder mit dem, was danach kommt? Und kann die Beschäftigung mit dem nächsten Leben manchmal eine Flucht vor der Realität sein?
Letztendlich erinnert Hazlitt uns daran, dass Sorgen und Hoffnungen oft eng miteinander verknüpft sind. Wer in der Gegenwart wenig Herausforderungen hat, sucht sich oft neue – manchmal in der Zukunft oder im metaphysischen Bereich.
Zitat Kontext
William Hazlitt (1778–1830) war ein englischer Essayist und Philosoph, bekannt für seine scharfsinnigen Analysen der menschlichen Natur und Gesellschaft. Seine Werke beschäftigten sich mit Kunst, Politik und Psychologie.
Sein Zitat steht im Kontext seiner Überlegungen zur menschlichen Psyche. Er erkannte, dass Menschen, die von materiellen Sorgen befreit sind, oft ihre Ängste in andere Bereiche verlagern – insbesondere in spirituelle oder metaphysische Fragen.
Zur Zeit Hazlitts war Europa geprägt von sozialen Ungleichheiten. Während die unteren Schichten mit realen Überlebensfragen kämpften, beschäftigten sich wohlhabendere Klassen zunehmend mit philosophischen und religiösen Fragen. Sein Zitat könnte als subtile Kritik an der Neigung des Menschen verstanden werden, sich immer neue Sorgen zu machen – selbst wenn die drängendsten existenziellen Probleme bereits gelöst sind.
Auch heute bleibt seine Beobachtung relevant. In wohlhabenden Gesellschaften ist die Beschäftigung mit Sinnfragen oft präsenter als in Ländern, in denen der Alltag von wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt ist. Hazlitts Worte erinnern uns daran, dass die menschliche Natur dazu neigt, stets neue Sorgen und Hoffnungen zu schaffen – unabhängig von äußeren Umständen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- William Hazlitt
- Tätigkeit:
- englischer Essayist, Literaturkritiker und Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
- Mehr?
- Alle William Hazlitt Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion