Die Zeitungsschreiber haben sich ein hölzernes Kapellchen erbaut, das sie auch den Tempel des Ruhms nennen, worin sie den ganzen Tag Porträte anschlagen und abnehmen und ein Gehämmer machen, daß man sein eignes Wort nicht hört.
- Georg Christoph Lichtenberg

Klugwort Reflexion zum Zitat
Georg Christoph Lichtenberg kritisiert in diesem Zitat die Praktiken und die Macht der Medien seiner Zeit. Die „Zeitungsschreiber“ sind für ihn eine Gruppe, die sich selbst zum Maßstab für Ruhm und Anerkennung erhebt, indem sie Personen hervorheben oder herabsetzen – oft ohne Rücksicht auf die Wahrheit. Das Bild des „hölzernen Kapellchens“, das sie als „Tempel des Ruhms“ bezeichnen, deutet auf die Oberflächlichkeit und Vergänglichkeit dieser Urteile hin. Das ständige „Gehämmer“ symbolisiert die allgegenwärtige, oft laute und aufdringliche Präsenz der Medien, die kaum Raum für individuelle oder differenzierte Meinungen lässt.
Dieses Zitat regt dazu an, über die Rolle und den Einfluss der Medien nachzudenken. Es hinterfragt, wie Informationen präsentiert und welche Machtverhältnisse durch ihre Darstellung geschaffen werden. Lichtenbergs Kritik ist zeitlos: Auch heute erleben wir, wie Medien Persönlichkeiten aufbauen oder zerstören können, oft basierend auf populären Trends oder Sensationsgier, anstatt auf fundierten Analysen.
Die Reflexion lädt ein, kritisch mit dem Konsum von Nachrichten umzugehen und sich bewusst zu machen, dass die medialen „Porträts“ selten die vollständige Realität widerspiegeln. Sie fordert dazu auf, den eigenen Blick für Nuancen zu schärfen und nicht alles, was als „Ruhm“ präsentiert wird, ungeprüft zu übernehmen. Lichtenbergs Worte sind eine Mahnung, den Lärm der Medien zu hinterfragen und die eigene Urteilskraft nicht von der lautesten Stimme übertönen zu lassen.
Zitat Kontext
Georg Christoph Lichtenberg, ein aufmerksamer Beobachter und Kritiker der Gesellschaft, lebte in einer Zeit, in der gedruckte Zeitungen und Pamphlete an Bedeutung gewannen. Diese neuen Medien spielten eine zentrale Rolle bei der Meinungsbildung und beeinflussten öffentliche Debatten maßgeblich. Lichtenberg erkannte jedoch, wie schnell diese Plattformen oberflächlichen Trends oder persönlichen Interessen dienen konnten, anstatt einer objektiven Wahrheit verpflichtet zu sein.
Seine Kritik am „Tempel des Ruhms“ lässt sich auf heutige Phänomene wie soziale Medien, Online-Plattformen und Boulevardjournalismus übertragen. Der schnelle Wechsel zwischen Lob und Kritik, das kurzfristige Aufbauen und Abwerten von Persönlichkeiten, sowie der Drang, Aufmerksamkeit um jeden Preis zu erlangen, spiegeln die Dynamiken wider, die Lichtenberg bereits in seiner Zeit beschrieb.
Sein Zitat ist ein zeitloser Kommentar zur Verantwortung der Medien und ihrer Konsumenten. Es mahnt, die Macht der Medien kritisch zu betrachten, ihre Inhalte sorgfältig zu prüfen und die eigene Stimme in einer oft lärmenden Welt nicht zu verlieren. Lichtenbergs scharfsinnige Worte bleiben eine wichtige Erinnerung an die Bedeutung von Integrität und reflektiertem Denken im Umgang mit Informationen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Georg Christoph Lichtenberg
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller, Mathematiker, Physiker und Aphoristiker
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion