Die Philosophie, deren Eigendünkel macht, daß sie sich selbst allen eiteln Fragen bloß stellet, siehet sich bloß oft bei dem Anlasse gewisser Erzählungen in schlimmer Verlegenheit, wenn sie entweder an einigem in demselben ungestraft nicht zweifeln oder manches davon unausgelacht nicht glauben darf.

- Immanuel Kant

Immanuel Kant

Klugwort Reflexion zum Zitat

Immanuel Kant hebt in diesem Zitat die Zwiespältigkeit der Philosophie hervor, die sich oft in einem Spannungsfeld zwischen kritischer Skepsis und der Möglichkeit des Glaubens befindet. Philosophie, so sagt er, stellt sich mitunter selbst in eine missliche Lage, wenn sie einerseits versucht, an Althergebrachtem oder Erzählerischem zu zweifeln, und sich andererseits dem Risiko aussetzt, durch Glauben an diese Überlieferungen belächelt zu werden.

Diese Reflexion regt dazu an, über die Natur der philosophischen Methodik und ihre Grenzen nachzudenken. Kant zeigt, dass Philosophie nicht frei von Anfechtungen ist, wenn sie sich mit Themen befasst, die möglicherweise außerhalb ihres kritischen Zugriffs liegen. Seine Worte legen nahe, dass philosophisches Denken sowohl Demut als auch den Mut zum Zweifeln erfordert, ohne dabei den Spott oder die Kritik anderer zu fürchten.

In einer Zeit, in der Wissenschaft und Philosophie oft als unfehlbar angesehen werden, erinnert dieses Zitat daran, dass auch die Philosophie mit Unsicherheiten umzugehen hat. Es ermutigt, eine Balance zwischen Skepsis und Offenheit zu finden und sich der Verantwortung bewusst zu sein, die mit der Suche nach Wahrheit einhergeht. Kant zeigt uns, dass die wahre Stärke der Philosophie nicht in ihrer Unfehlbarkeit liegt, sondern in ihrer Bereitschaft, die Grenzen ihres Wissens zu erkennen.

Zitat Kontext

Immanuel Kant, einer der bedeutendsten Philosophen der Aufklärung, schrieb dieses Zitat in einer Zeit, in der die Philosophie stark durch die Vernunft und die Wissenschaft geprägt war. Seine Kritik richtet sich gegen den philosophischen Eigendünkel, der dazu führen kann, dass die Philosophie über ihre eigenen Möglichkeiten hinausgeht.

Im historischen Kontext war Kants Philosophie eine Reaktion auf die dogmatische Metaphysik seiner Vorgänger und die empiristische Skepsis von Denkern wie Hume. Seine Worte spiegeln das Dilemma wider, in dem sich die Philosophie befindet, wenn sie versucht, Antworten auf Fragen zu geben, die entweder nicht beweisbar oder zu weit entfernt von der menschlichen Erfahrung sind.

Heute bleibt dieses Zitat relevant, da es uns daran erinnert, dass Philosophie sowohl Mut als auch Bescheidenheit erfordert. Es ruft dazu auf, die Grenzen des Denkens zu respektieren und dennoch nach Erkenntnis zu streben, ohne Angst vor Kritik oder Spott. Kants Einsicht lehrt uns, die Philosophie als eine Disziplin zu betrachten, die sich ständig hinterfragt und weiterentwickelt, ohne den Anspruch auf absolute Gewissheit zu erheben.

Daten zum Zitat

Autor:
Immanuel Kant
Tätigkeit:
Philosoph
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
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