Die Menschen sind so bereit, den Toten ihre Bewunderung zu erweisen, weil diese sie nicht hören oder weil sie denjenigen, denen sie gilt, keine Freude bereitet. Selbst der Ruhm ist das Ergebnis von Neid.

- William Hazlitt

William Hazlitt

Klugwort Reflexion zum Zitat

William Hazlitt beschreibt hier eine paradoxe, aber oft beobachtete Wahrheit: Der größte Ruhm kommt nach dem Tod, wenn derjenige, der ihn verdient hat, ihn nicht mehr genießen kann. Dies wirft die Frage auf, warum Menschen dazu neigen, Verstorbene mehr zu bewundern als Lebende.

Ein möglicher Grund ist, dass Ruhm oft mit Konkurrenz verbunden ist. Solange jemand lebt, könnte sein Erfolg als Bedrohung wahrgenommen werden. Erst nach seinem Tod wird er ungefährlich – und kann deshalb uneingeschränkt gelobt werden.

Das Zitat fordert uns auf, über unsere eigene Haltung gegenüber Anerkennung nachzudenken. Warum neigen wir dazu, die Verdienste von Menschen erst posthum zu würdigen? Und warum fällt es uns oft schwer, lebende Genies zu schätzen, ohne Neid oder Konkurrenzdenken?

Letztendlich erinnert Hazlitt daran, dass Ruhm nicht nur aus Leistung, sondern oft aus den Reaktionen der Gesellschaft entsteht. Wahre Anerkennung sollte nicht erst nach dem Tod kommen – sondern dann, wenn sie für denjenigen, der sie verdient, noch von Bedeutung ist.

Zitat Kontext

William Hazlitt (1778–1830) war ein englischer Essayist und Philosoph, bekannt für seine kritischen Schriften über Kunst, Politik und menschliches Verhalten. Seine Werke analysieren oft psychologische und gesellschaftliche Mechanismen.

Das Zitat spiegelt eine verbreitete Beobachtung wider: Viele große Künstler, Denker und Erfinder wurden erst nach ihrem Tod anerkannt. Beispiele reichen von Vincent van Gogh bis Nikola Tesla – Genies, die zu Lebzeiten wenig Wertschätzung erfuhren, aber später als Meister gefeiert wurden.

Zur Zeit Hazlitts war die Gesellschaft stark von Statusdenken geprägt. Erfolg wurde oft misstrauisch betrachtet, und wahre Anerkennung kam oft erst, wenn die Person keine Bedrohung mehr für andere darstellte. Dieses Muster hat sich bis heute nicht vollständig verändert.

Auch heute bleibt seine Einsicht aktuell. Die Mechanismen von Ruhm und Neid spielen eine große Rolle, insbesondere in einer Welt der sozialen Medien, in der Erfolg oft bewundert – aber auch schnell kritisiert – wird. Hazlitt erinnert uns daran, dass wir nicht warten sollten, bis jemand stirbt, um ihn zu würdigen – echte Anerkennung sollte zu Lebzeiten erfolgen.

Daten zum Zitat

Autor:
William Hazlitt
Tätigkeit:
englischer Essayist, Literaturkritiker und Schriftsteller
Epoche:
Romantik
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Emotion:
Keine Emotion