Die Langeweile, die in manchem Buche herrscht, gereicht ihm zum Heil; die Kritik, die schon ihren Speer erhoben hatte, schläft ein, bevor sie ihn geschleudert.

- Marie von Ebner-Eschenbach

Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat

Marie von Ebner-Eschenbachs Zitat offenbart auf humorvolle Weise einen paradoxen Vorteil der Langeweile: Sie kann als Schutzschild vor Kritik dienen. Ein Buch, das so uninteressant ist, dass es die Kritiker einschläfert, entgeht möglicherweise einer scharfen Beurteilung. Dies ist ein ironischer Kommentar auf die Dynamik zwischen Autor und Kritiker, bei der die Energie des Kritikers manchmal entscheidender ist als der Inhalt des Werkes.

Dieses Zitat lädt den Leser dazu ein, über den Wert von Kritik und deren Verbindung zur Aufmerksamkeit nachzudenken. Es zeigt, dass selbst das Mittelmaß oder die Langeweile eine gewisse Funktion erfüllen können, indem sie Angriffe abwenden. Gleichzeitig könnte es als subtiler Aufruf an Autoren verstanden werden, nicht nur darauf zu hoffen, unentdeckt zu bleiben, sondern sich ernsthaft mit der Qualität ihrer Arbeit auseinanderzusetzen.

Für den Leser regt das Zitat zu einem Blick auf das Verhältnis von Kunst und Rezeption an. Es könnte inspirieren, die Verantwortung beider Seiten zu reflektieren – der Autoren, hochwertige Inhalte zu schaffen, und der Kritiker, auch bei scheinbar langweiligen Werken nach Substanz zu suchen.

Zitat Kontext

Marie von Ebner-Eschenbach, eine österreichische Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre scharfsinnigen Beobachtungen über Literatur und Gesellschaft. Dieses Zitat könnte als ironischer Kommentar auf die Literaturlandschaft ihrer Zeit verstanden werden, in der Werke oft den Erwartungen und der Kritik eines anspruchsvollen Publikums ausgesetzt waren.

Im historischen Kontext ist die Aussage auch eine Reflexion über die Rolle der Kritiker und ihre Macht, Werke zu beeinflussen. Ebner-Eschenbachs Bemerkung unterstreicht die Subjektivität von Kritik und stellt die Frage, ob alle Werke wirklich nach ihrer Tiefe oder nur nach ihrem Unterhaltungswert beurteilt werden. Sie deutet darauf hin, dass die Langeweile eines Werkes paradoxerweise seine Rettung sein kann.

Auch heute bleibt das Zitat relevant, da es auf die Dynamik zwischen Kreativen und Kritikern verweist. Es erinnert daran, dass Kunst nicht immer spektakulär oder aufregend sein muss, um ihren Wert zu beweisen, und dass auch die Rezeption von Kunst oft von den Umständen des Kritikers abhängt – einschließlich seiner Geduld und Aufmerksamkeit.

Daten zum Zitat

Autor:
Marie von Ebner-Eschenbach
Tätigkeit:
Österreichische Schriftstellerin
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion