Die Gleichgültigkeit, der innere Tod, ist manchmal ein Zeichen von Erschöpfung, meistens ein Zeichen von geistiger Impotenz und immer – guter Ton.
- Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marie von Ebner-Eschenbachs Zitat beleuchtet die verschiedenen Facetten der Gleichgültigkeit mit einer Mischung aus Schärfe und Ironie.
Sie beschreibt Gleichgültigkeit als ‚inneren Tod‘ – ein starkes Bild, das den emotionalen und intellektuellen Stillstand verdeutlicht, der mit diesem Zustand einhergeht. Als Zeichen von Erschöpfung kann Gleichgültigkeit eine natürliche Reaktion auf Überforderung sein. Doch wenn sie zu einem dauerhaften Zustand wird, weist sie laut Ebner-Eschenbach auf eine geistige Impotenz hin – die Unfähigkeit, sich auf die Welt und die Menschen um einen herum einzulassen.
Der Zusatz, dass Gleichgültigkeit ‚immer guter Ton‘ sei, stellt eine spitze Kritik an gesellschaftlichen Normen dar. In vielen Kontexten wird emotionale Zurückhaltung als vornehm oder professionell angesehen, was jedoch den Preis hat, echte Anteilnahme zu verdrängen.
Das Zitat fordert uns auf, Gleichgültigkeit zu hinterfragen und zu erkennen, wann sie Ausdruck von Schutz, wann von Schwäche und wann von Konformität ist. Ebner-Eschenbach erinnert uns daran, dass echtes Engagement Mut erfordert – und dass wir uns davor hüten sollten, Gleichgültigkeit als Tugend zu betrachten.
Zitat Kontext
Marie von Ebner-Eschenbach, eine kluge Beobachterin menschlicher und gesellschaftlicher Verhaltensweisen, reflektiert in diesem Zitat über die Rolle und die Folgen von Gleichgültigkeit.
Im 19. Jahrhundert, einer Zeit großer sozialer und technologischer Umwälzungen, war Gleichgültigkeit ein häufiges Thema in der Literatur. Sie wurde oft als Symptom einer entfremdeten Gesellschaft gesehen, die von Individualismus und sozialer Kälte geprägt war.
Ebner-Eschenbachs Kritik richtet sich jedoch nicht nur gegen das Individuum, sondern auch gegen eine Gesellschaft, die emotionale Zurückhaltung als Ideal stilisiert. Der ‚gute Ton‘, von dem sie spricht, weist auf die Erwartungen hin, sich möglichst neutral und unbeteiligt zu zeigen, um nicht unangenehm aufzufallen.
Heute bleibt dieses Zitat relevant, da es auf die Herausforderungen einer modernen Gesellschaft verweist, in der Gleichgültigkeit oft mit Coolness oder Professionalität verwechselt wird. Ebner-Eschenbachs Worte laden uns dazu ein, Empathie und echtes Interesse zu kultivieren – als Gegengewicht zur emotionalen Distanz, die uns manchmal als Schutzschild dient.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marie von Ebner-Eschenbach
- Tätigkeit:
- Österreichische Schriftstellerin
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion