Die geniale Fähigkeit des Weibes, zu vergessen, ist etwas anderes als das Talent der Dame, sich nicht erinnern zu können.

- Karl Kraus

Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat

Karl Kraus’ Zitat ist eine pointierte Beobachtung, die die Unterschiede zwischen authentischer Vergesslichkeit und bewusster Verdrängung beleuchtet. Er verwendet hier die Begriffe „Weib“ und „Dame“, um zwei kontrastierende Arten von Umgang mit Erinnerungen und Ereignissen zu beschreiben: die erste als eine natürliche, instinktive Fähigkeit, loszulassen, die zweite als eine bewusste, oft gesellschaftlich bedingte Entscheidung, sich nicht zu erinnern.

Das „Vergessen“ des Weibes wird als eine kreative und heilsame Fähigkeit dargestellt, die es ermöglicht, emotionalen Ballast abzulegen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es ist eine Form des Vergebens oder des Loslassens, die Freiheit schafft. Dem gegenüber steht das „sich nicht erinnern können“ der Dame, das eher als gesellschaftlich motivierte, kontrollierte Handlung erscheint, möglicherweise um Konflikte zu vermeiden oder den äußeren Schein zu wahren.

Das Zitat lädt dazu ein, über den Umgang mit Erinnerung und Verdrängung nachzudenken. Wie oft vergessen wir wirklich, und wie oft entscheiden wir uns bewusst, etwas zu ignorieren? Kraus regt dazu an, die Motive hinter diesen Prozessen zu hinterfragen und den Unterschied zwischen instinktivem Vergessen und absichtlichem Verdrängen zu erkennen.

In einer Welt, die von sozialen Erwartungen und dem Streben nach Perfektion geprägt ist, erinnert uns Kraus daran, wie wertvoll authentische emotionale Prozesse sind. Seine Worte inspirieren dazu, den Umgang mit Erinnerungen bewusst zu reflektieren und zwischen heilsamem Loslassen und bloßer Anpassung an äußere Erwartungen zu unterscheiden.

Zitat Kontext

Karl Kraus, ein österreichischer Satiriker und scharfsinniger Kritiker der Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts, war bekannt für seine prägnanten, oft provokanten Formulierungen. Dieses Zitat reflektiert seine Fähigkeit, gesellschaftliche Rollenbilder und menschliches Verhalten auf subtile Weise zu analysieren.

Im historischen Kontext seiner Zeit, geprägt von starren gesellschaftlichen Normen und Rollenerwartungen, unterscheidet Kraus zwischen der Natur des Individuums und den gesellschaftlichen Zwängen, die das Verhalten beeinflussen. Die Begriffe „Weib“ und „Dame“ sind dabei nicht abwertend gemeint, sondern symbolisieren unterschiedliche Rollen: das instinktiv Natürliche und das durch gesellschaftliche Konventionen Geformte.

Auch heute hat das Zitat Relevanz, da es universelle Themen wie den Umgang mit Erinnerung, Verdrängung und gesellschaftliche Erwartungen anspricht. Es lädt dazu ein, sich bewusst mit den eigenen emotionalen Prozessen auseinanderzusetzen und zu hinterfragen, wie viel davon von inneren Bedürfnissen und wie viel von äußeren Zwängen geprägt ist.

Kraus’ Worte sind eine zeitlose Reflexion über Authentizität und Anpassung. Sie fordern uns auf, ehrlich mit uns selbst zu sein und den Unterschied zwischen echtem Vergessen und strategischem Verdrängen zu erkennen – ein wichtiger Schritt, um ein freieres und bewussteres Leben zu führen.

Daten zum Zitat

Autor:
Karl Kraus
Tätigkeit:
österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
Epoche:
Moderne
Mehr?
Alle Karl Kraus Zitate
Emotion:
Keine Emotion