Der Teufel is überhaupt nicht das Schlechteste, ich laß mich lieber mit ihm als mit manchem Menschen ein. Er ehrt das Alter, seine Großmutter steht hoch in Ansehen bei ihm, das is halt a schöner Charakterzug. Er halt aufn Handschlag, man siehts, daß er viel mit die Ritter z' tun g'habt, er erfüllt seine Verträge weit prompter als manch irdischer Schmutzian; freilich nachher am Verfallstag, da kommt er auf d' Minuten, Schlag zwölfe, holt sich seine Seel und geht wieder schön ordntlich nach Haus in seine Höll; 's is halt a Geschäftsmann, wie sich's gehört.

- Johann Nepomuk Nestroy

Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat

In diesem humorvollen Zitat von Johann Nepomuk Nestroy wird der Teufel auf eine ironische Weise dargestellt, die ihm menschliche Eigenschaften zuschreibt, die ihn in gewisser Weise sympathisch erscheinen lassen. Nestroy nutzt die Figur des Teufels, um die Moral und das Verhalten von Menschen zu hinterfragen, indem er die Figur des Teufels mit mehr „geschäftsmäßigem“ und „ehrenhaftem“ Verhalten versieht als manch irdische Person. Der Teufel ehrt das Alter, hält sich an Verträge und ist pünktlich – eine humorvolle Kritik an den menschlichen Unzulänglichkeiten und die Hypokrisie in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Es ist ein bissiger Kommentar, der durch Übertreibung und den Vergleich des Teufels mit den realen menschlichen Fehlern, vor allem in Bezug auf Vertrauenswürdigkeit und Moral, eine tiefere Reflexion anregt.

Das Zitat erinnert uns daran, dass Menschen oft als unzuverlässiger und selbstsüchtiger dargestellt werden, während der Teufel, als eine an sich negative Figur, in diesem Fall als „geschäftsmäßig“ und sogar „ordentlich“ erscheint. In einer Welt, in der viele Menschen ihre Versprechen nicht einhalten und den Wert von Verträgen und Beziehungen infrage stellen, wird die Ironie, dass der Teufel diese Qualitäten besser verkörpert als manch ein Mensch, deutlich. Die Frage, die hier aufgeworfen wird, ist, warum ein Teufel „besser“ sein kann als der Mensch und was das über den moralischen Zustand der Gesellschaft aussagt.

Zitat Kontext

Johann Nepomuk Nestroy war ein österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Satiriker des 19. Jahrhunderts, bekannt für seinen scharfsinnigen Humor und seine kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft seiner Zeit. In diesem Zitat reflektiert Nestroy die gesellschaftliche Heuchelei und die oft falschen Vorstellungen von Moral, indem er den Teufel als einen ehrbaren Geschäftsmann darstellt, der sich an Verträge hält und Werte wie Respekt und Pünktlichkeit zeigt. Nestroy verwendet die Figur des Teufels, um eine Gesellschaft zu hinterfragen, in der solche Tugenden oft nicht von den Menschen selbst, sondern von einer fiktiven, „bösen“ Figur erwartet werden.

Das Zitat lässt sich im Kontext der gesellschaftlichen und politischen Situationen des 19. Jahrhunderts verstehen, in denen Nestroy lebte. Zu dieser Zeit gab es eine große Kluft zwischen den Idealen der Gesellschaft und der tatsächlichen moralischen Praxis. Nestroy war ein scharfer Kritiker dieser gesellschaftlichen Missstände und nutzte seinen Humor, um auf die oft scheinheiligen Verhaltensweisen seiner Mitmenschen aufmerksam zu machen.

Philosophisch betrachtet spricht das Zitat die Beziehung zwischen Moral, Gesellschaft und individueller Verantwortung an. Indem Nestroy den Teufel als eine Figur darstellt, die mehr moralische Eigenschaften besitzt als viele Menschen, fordert er den Leser auf, die moralischen Grundsätze der Gesellschaft zu hinterfragen und über den wahren Wert von Ehrenhaftigkeit und Vertrauen nachzudenken.

Das Zitat bleibt auch heute relevant, da es die anhaltende Diskussion über moralische Standards und zwischenmenschliche Beziehungen anstößt. In einer Welt, in der oft politisches und persönliches Verhalten von Doppelmoral und Heuchelei geprägt ist, stellt Nestroy die Frage, ob wir wirklich die moralischen Standards verkörpern, die wir von anderen erwarten.

Daten zum Zitat

Autor:
Johann Nepomuk Nestroy
Tätigkeit:
österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
Epoche:
Biedermeier
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Emotion:
Keine Emotion