Wer tranchiert, is entweder ein Esel oder ein Flegel. B'halt man als Tranchierer 's beste Stück für sich, so is man a Flegel, und b'halt man sich's net, so is man a Esel.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Nepomuk Nestroy schildert in diesem Zitat auf humorvolle Weise eine paradoxe Situation des sozialen Verhaltens. Das Tranchieren – also das Verteilen und Servieren von Speisen – wird hier als Sinnbild für den Konflikt zwischen Selbstbehauptung und Rücksichtnahme verwendet. Der Tranchierer befindet sich in einem Dilemma: Nimmt er das beste Stück für sich, wird er als egoistisch wahrgenommen; gibt er es ab, könnte er als naiv oder dumm gelten.
Dieses Zitat regt dazu an, über die sozialen Erwartungen und die schwierige Balance zwischen Eigeninteresse und Altruismus nachzudenken. Es zeigt, wie schwer es sein kann, in gesellschaftlichen Situationen die „richtige“ Entscheidung zu treffen, da jede Handlung unterschiedlich interpretiert werden kann. Nestroy verdeutlicht humorvoll die Komplexität menschlicher Interaktionen und die ständigen Spannungen zwischen individuellen Bedürfnissen und sozialer Etikette.
Die Reflexion über dieses Zitat erinnert daran, dass es oft keine perfekte Lösung gibt, die allen gerecht wird. Stattdessen fordert es auf, soziale Konventionen mit einem Augenzwinkern zu betrachten und dabei die Menschlichkeit in all ihrer Widersprüchlichkeit zu akzeptieren. Nestroys Worte laden dazu ein, nicht nur über die Handlungen anderer, sondern auch über die eigenen Beweggründe nachzudenken, und zeigen, wie wichtig Humor und Nachsicht in sozialen Interaktionen sind.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy, bekannt für seinen scharfen Witz und seine satirischen Beobachtungen, spiegelt in diesem Zitat die gesellschaftlichen Zwänge und Konventionen des 19. Jahrhunderts wider. Seine Werke entlarvten oft die Komplexität und manchmal auch die Absurdität sozialer Normen. Die Frage nach dem „richtigen“ Verhalten in einer solchen alltäglichen Situation wie dem Tranchieren zeigt, wie universell und zeitlos solche Dilemmata sind.
Historisch gesehen war das Tranchieren eine Handlung mit symbolischem Gewicht, besonders in gesellschaftlichen Zusammenkünften, die von Etikette und Status geprägt waren. Nestroy nutzt diese einfache Tätigkeit, um tiefere Einsichten über soziale Dynamiken und die oft widersprüchlichen Erwartungen an Individuen zu vermitteln.
Auch heute ist das Zitat aktuell, da es humorvoll die Herausforderungen des sozialen Umgangs beschreibt. Es lädt dazu ein, über gesellschaftliche Erwartungen und den Balanceakt zwischen Selbstinteresse und Rücksichtnahme nachzudenken. Nestroy erinnert uns daran, dass Humor und Selbstironie oft die besten Mittel sind, um solche alltäglichen Widersprüche zu meistern.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
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- Emotion:
- Keine Emotion