Der Aberglaube traut den Sinnen bald zu viel, bald zu wenig. (Quelle: Theologiekritische und philosophische Schriften)
- Gotthold Ephraim Lessing

Klugwort Reflexion zum Zitat
Gotthold Ephraim Lessings Zitat verdeutlicht die widersprüchliche Natur des Aberglaubens und zeigt auf, wie er unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit verzerrt. Der Aberglaube schwankt zwischen zwei Extremen: Er kann den Sinnen zu viel Vertrauen schenken, indem er in natürlichen Ereignissen übernatürliche Bedeutungen sieht, oder er kann ihnen zu wenig trauen, indem er offensichtliche Fakten ignoriert und ihnen eine mystische Erklärung entgegenstellt.
Dieses Spannungsverhältnis führt dazu, dass der Aberglaube Menschen von der Realität entfernt. Er verleitet dazu, einfache, rationale Erklärungen zu übersehen und stattdessen komplizierte, irrationale Konstrukte zu erschaffen. Lessings Kritik regt dazu an, über die Bedeutung von Vernunft und kritischem Denken nachzudenken. Sie erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die Balance zwischen Vertrauen in unsere Sinne und rationaler Analyse zu finden.
Das Zitat ermutigt dazu, sich kritisch mit eigenen Überzeugungen auseinanderzusetzen. Es zeigt, dass Aberglaube nicht nur auf Unwissenheit, sondern oft auf einem Missverhältnis zwischen Wahrnehmung und Interpretation basiert. Lessings Worte sind ein Aufruf, die Welt mit klarem Verstand zu betrachten, anstatt in den Extremen von Naivität oder übertriebener Skepsis zu verharren.
Zitat Kontext
Gotthold Ephraim Lessing, ein bedeutender Vertreter der Aufklärung, setzte sich intensiv mit der Beziehung zwischen Vernunft, Glaube und menschlicher Wahrnehmung auseinander. In seinen theologiekritischen und philosophischen Schriften kritisierte er den Aberglauben, der in seiner Zeit weit verbreitet war, und plädierte für eine rationalere und aufgeklärtere Sichtweise.
Historisch gesehen entstand dieses Zitat in einer Epoche, die von der Suche nach wissenschaftlicher Erkenntnis und der Überwindung religiöser Dogmen geprägt war. Der Aberglaube wurde oft als Hindernis für den Fortschritt betrachtet, da er die Menschen in Unwissenheit und Abhängigkeit hielt. Lessing forderte, die Grenzen zwischen Sinneswahrnehmung und spekulativer Interpretation zu klären, um zu einer fundierten und vernunftbasierten Weltsicht zu gelangen.
In der modernen Welt, in der Pseudowissenschaften und Verschwörungstheorien florieren, bleibt Lessings Zitat relevant. Es erinnert uns daran, kritisch mit Wahrnehmungen umzugehen und sie stets im Licht von Vernunft und Evidenz zu prüfen. Seine Worte sind ein Plädoyer für die Aufklärung und für die Bereitschaft, sowohl den Sinnen als auch dem Verstand in ausgewogener Weise zu vertrauen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Gotthold Ephraim Lessing
- Tätigkeit:
- deutscher Dichter, Schriftsteller, Philosoph und Dramatiker
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion