Den Mann, der einmal sein Ehrenwort gebrochen hat, möchtet ihr nicht mit einem Hölzchen anrühren, aber der Mann, der alle Augenblicke seinen Eid bricht, büßt an seinem Ansehen bei euch nicht das geringste ein.
- Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marie von Ebner-Eschenbach bringt in diesem Zitat eine bittere Wahrheit über menschliches Urteilsvermögen und gesellschaftliche Doppelmoral zum Ausdruck. Sie zeigt auf, dass Menschen dazu neigen, einen einmaligen Vertrauensbruch härter zu bestrafen als eine kontinuierliche Verletzung von Werten.
Diese Einsicht fordert uns auf, über unser eigenes Urteil nachzudenken. Warum verurteilen wir manche Vergehen schärfer als andere? Warum wird jemand, der einmal lügt oder sein Wort bricht, als unehrenhaft betrachtet, während jemand, der es ständig tut, oft als berechnend oder 'gewieft' durchgeht?
Ebner-Eschenbach zeigt hier eine paradoxe soziale Dynamik: Einzelne Fehler werden oft härter bestraft als ein systematisches Fehlverhalten. Menschen, die immer wieder gegen moralische Grundsätze verstoßen, können sich mit der Zeit an das Bild der Gesellschaft anpassen – während derjenige, der einmal versagt, oft dauerhaft geächtet wird.
Diese Beobachtung bleibt in der heutigen Zeit besonders relevant, vor allem in Politik, Wirtschaft und Medien. Oft sehen wir, dass Personen, die beständig gegen Prinzipien verstoßen, dennoch Macht und Einfluss behalten, während einzelne Fehltritte von anderen nicht verziehen werden. Ihr Zitat mahnt uns, nicht nach gesellschaftlichen Mustern zu urteilen, sondern konsequent Werte und Ehrlichkeit zu bewerten.
Zitat Kontext
Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916) war eine österreichische Schriftstellerin und eine der bedeutendsten deutschsprachigen Erzählerinnen des 19. Jahrhunderts. Ihre Werke zeichneten sich durch soziale Beobachtungsgabe und feine psychologische Analysen aus.
Dieses Zitat passt in den Kontext ihrer kritischen Betrachtung gesellschaftlicher Normen. Sie erkannte, dass Menschen oft inkonsequent in ihrem Urteilen sind – besonders wenn es um Moral und Integrität geht.
Heute ist ihre Erkenntnis besonders in der Politik und in sozialen Debatten von Bedeutung. Wer einmal einen Fehler macht, kann oft nie wieder vollständig rehabilitiert werden, während andere, die regelmäßig unethisch handeln, durch Gewöhnung akzeptiert werden. Ihr Zitat erinnert uns daran, über unsere eigenen Maßstäbe nachzudenken und sie bewusst anzuwenden.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marie von Ebner-Eschenbach
- Tätigkeit:
- Österreichische Schriftstellerin
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion