Aus dem Mitleid mit anderen erwächst die feurige, die mutige Barmherzigkeit; aus dem Mitleid mit uns selbst die weichliche, feige Sentimentalität.

- Marie von Ebner-Eschenbach

Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat

Marie von Ebner-Eschenbach unterscheidet in diesem Zitat zwischen zwei Arten von Mitleid: jenem, das sich mutig auf andere richtet, und jenem, das in Selbstmitleid verharrt. Ihre Worte verdeutlichen, wie Mitleid zu völlig unterschiedlichen Handlungen führen kann. Barmherzigkeit erfordert laut ihr Stärke und den Willen, aktiv zu helfen, während Sentimentalität eine passive Haltung einnimmt, die in Schwäche mündet.

Dieses Zitat lädt dazu ein, das eigene Mitleid zu reflektieren: Lenke ich es nach außen, um anderen zu helfen, oder bleibt es auf mich selbst fokussiert? Ebner-Eschenbach mahnt, dass Mitleid mit uns selbst in einer Art von Selbstzentriertheit enden kann, die weder uns noch anderen hilft. Mutige Barmherzigkeit hingegen erfordert Einsatz und Selbstlosigkeit und hat das Potenzial, wahres Mitgefühl in Taten umzuwandeln.

Die Botschaft des Zitats ist besonders relevant in einer Zeit, in der Mitgefühl oft durch digitale Interaktionen bekundet wird, ohne in echtes Handeln zu münden. Es inspiriert dazu, Empathie aktiv zu leben und Verantwortung für andere zu übernehmen, anstatt sich in Sentimentalität zu verlieren. Ebner-Eschenbach fordert eine Haltung, die Mitgefühl nicht nur empfindet, sondern auch zur Veränderung der Welt beiträgt.

Zitat Kontext

Marie von Ebner-Eschenbach, eine österreichische Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre tiefgründigen Beobachtungen über menschliches Verhalten. Ihr Werk entstand in einer Zeit gesellschaftlicher und sozialer Umbrüche, in der Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit eine wichtige Rolle spielten. Dieses Zitat spiegelt ihre moralische und ethische Überzeugung wider, dass Mitgefühl ein aktiver, mutiger Akt sein sollte.

Im historischen Kontext stand Ebner-Eschenbach in einer Gesellschaft, die von strikten Klassenunterschieden geprägt war. Ihre Betonung auf ‚feurige Barmherzigkeit‘ kann als Aufruf verstanden werden, über soziale Schranken hinweg zu handeln und anderen aktiv zu helfen. Gleichzeitig kritisiert sie das Selbstmitleid, das zu Passivität führen kann und wenig zur Verbesserung der Umstände beiträgt.

Auch heute bleibt dieses Zitat aktuell, da es die Bedeutung von Empathie und Engagement in einer oft individualistischen Welt hervorhebt. Es ermutigt dazu, Mitgefühl als treibende Kraft für mutiges Handeln zu sehen und sich der Verantwortung bewusst zu sein, die mit wahrer Barmherzigkeit einhergeht.

Daten zum Zitat

Autor:
Marie von Ebner-Eschenbach
Tätigkeit:
Österreichische Schriftstellerin
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion