Wo habe ich gelesen, dass ein zum Tode Verurteilter eine Stunde vor seinem Tod sagt oder denkt, dass, wenn er auf einem hohen Felsen leben müsste, auf einem so schmalen Vorsprung, dass er nur Platz zum Stehen hätte, und das Meer, die ewige Dunkelheit, die ewige Einsamkeit, der ewige Sturm um ihn herum, wenn er sein ganzes Leben lang, tausend Jahre, die Ewigkeit, auf einem Quadratmeter Platz stehen müsste, es besser wäre, so zu leben, als gleich zu sterben. Nur zu leben, zu leben und zu leben! Leben, was immer es auch sein mag!

- Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Klugwort Reflexion zum Zitat

Dieses Zitat von Fjodor Dostojewski ergründet die tiefe, fast verzweifelte Wertschätzung des Lebens, selbst unter den unerträglichsten Umständen.

Die Vorstellung, auf einem schmalen Felsen inmitten von Dunkelheit und Sturm für immer zu verharren, ist eine eindringliche Metapher für die extremsten Formen von Leiden und Isolation.

Doch selbst in dieser extremen Situation wird das Leben über den Tod gestellt. Dies zeigt die unerschütterliche Kraft des Lebenswillens, der tief in der menschlichen Psyche verwurzelt ist.

Das Zitat regt zum Nachdenken darüber an, was Leben wirklich bedeutet – nicht als Abfolge angenehmer Erfahrungen, sondern als ununterbrochene Existenz, die in ihrer reinen Form einen Wert besitzt.

Es wirft auch die Frage auf, ob es die Nähe des Todes ist, die die Kostbarkeit des Lebens so intensiv fühlbar macht. In der Konfrontation mit dem Ende erscheint das Leben oft unvergleichlich wertvoll.

Dostojewski fordert den Leser auf, die Schönheit und den Wert des Lebens selbst in den kleinsten und schwersten Momenten zu erkennen und zu schätzen.

Diese Reflexion ist eine Erinnerung daran, dass das Leben, so schwer es auch sein mag, eine Kraft ist, die über alle Widrigkeiten hinaus Bestand hat.

Zitat Kontext

Fjodor Dostojewski, einer der bedeutendsten Schriftsteller der russischen Literatur, war bekannt für seine tiefgehenden psychologischen und philosophischen Betrachtungen.

Dieses Zitat stammt aus einer Zeit, in der Dostojewski selbst die Härten des Lebens direkt erfahren hatte, unter anderem durch seine Verurteilung zum Tode, die letztlich in eine Gefängnisstrafe umgewandelt wurde.

Diese Erfahrung prägte sein Verständnis für die menschliche Natur und den Wert des Lebens nachhaltig. Im historischen Kontext war Russland im 19. Jahrhundert von politischen und sozialen Spannungen geprägt, und Dostojewskis Werke reflektieren diese Kämpfe auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene.

Das Zitat berührt existenzielle und philosophische Fragen über Leben, Tod und den Sinn der Existenz. Philosophisch kann es mit Ideen des Existenzialismus in Verbindung gebracht werden, die das Leben trotz seines Leidens als wertvoll und bedeutungsvoll betrachten.

Auch heute hat das Zitat eine starke Resonanz, insbesondere in Diskussionen über Lebenswillen, Resilienz und die Bedeutung von Hoffnung in extremen Situationen. Es erinnert daran, dass selbst in den dunkelsten Momenten das Leben eine grundlegende und unantastbare Bedeutung besitzt.

Daten zum Zitat

Autor:
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Tätigkeit:
russischer Schriftsteller
Epoche:
Realismus
Mehr?
Alle Fjodor Michailowitsch Dostojewski Zitate
Emotion:
Keine Emotion