Wo einer Zeit Gott, wie die Sonne, untergehet; da tritt bald darauf auch die Welt in das Dunkel; der Verächter des All achtet nichts weiter als sich und fürchtet sich in der Nacht vor nichts weiter als vor seinen Geschöpfen.
- Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat
Jean Paul beschreibt in diesem Zitat einen tiefgreifenden Verlust an Transzendenz und Orientierung, der eine Gesellschaft ins Dunkel stürzt, wenn der Glaube an Gott oder ein höheres Prinzip schwindet. Er setzt Gott symbolisch mit der Sonne gleich, die Licht und Klarheit spendet. Mit dem Untergang dieser ‚Sonne‘ verliert die Welt ihren moralischen und spirituellen Halt.
Der ‚Verächter des All‘, der sich nur noch um sich selbst dreht, wird in der Nacht – im übertragenen Sinn: in der Orientierungslosigkeit – von seinen eigenen Schöpfungen, seien es seine Taten oder sein Egoismus, geplagt. Das Zitat lädt dazu ein, über die Bedeutung von Glauben und Werten nachzudenken, die über das Individuum hinausgehen. Es ist ein Plädoyer dafür, den Blick nicht nur auf das eigene Ich zu richten, sondern sich an höheren Idealen zu orientieren, die Licht und Sinn in das Leben bringen.
Dieses Zitat ist auch eine Mahnung an die moderne Gesellschaft, in der Individualismus und Materialismus oft den Platz von Spiritualität und gemeinschaftlichem Denken einnehmen. Es fordert dazu auf, eine Balance zwischen Selbstbestimmung und einer Verankerung in universellen Werten zu finden, um nicht im ‚Dunkel‘ der Selbstbezogenheit zu versinken.
Zitat Kontext
Jean Paul schrieb dieses Zitat in einer Zeit, die von der Aufklärung und ihren kritischen Blicken auf Religion und Glauben geprägt war. Während die Vernunft und Wissenschaft neue Horizonte eröffneten, führte die Abkehr von traditionellen religiösen Werten auch zu Fragen nach moralischer Orientierung und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
Der Vergleich Gottes mit der Sonne erinnert an klassische philosophische und literarische Motive, etwa Platons Sonnengleichnis oder die Lichtmetaphorik der Aufklärung. Jean Paul verknüpft diese Bilder jedoch mit einer romantischen Warnung: Der Verlust von Spiritualität und höheren Werten könnte die Menschheit in eine Art existenzielles Dunkel führen.
Heute bleibt dieses Zitat aktuell, da es die Herausforderungen einer zunehmend säkularen und individualistischen Welt anspricht. Es regt dazu an, über die Rolle von Werten, Idealen und Spiritualität nachzudenken, die auch in modernen Gesellschaften eine zentrale Orientierung bieten können. Jean Pauls Worte mahnen, dass ein rein egoistischer Fokus nicht nur die Gemeinschaft schwächt, sondern auch das Individuum selbst in Isolation und Angst zurücklässt.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean Paul
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion