Wer im Müßiggang verzehrt, was er selbst nicht erworben hat, verübt geradezu einen Diebstahl, und ein Rentner, den der Staat für sein untätiges Leben in Form von Zinsen bezahlt, ist in meinen Augen kaum von einem Straßenräuber verschieden, der auf Kosten der Reisenden lebt.
- Jean-Jacques Rousseau

Klugwort Reflexion zum Zitat
Jean-Jacques Rousseau kritisiert in diesem Zitat scharf den Müßiggang und die ungerechtfertigte Bereicherung, die nicht durch eigene Arbeit, sondern durch fremde Leistungen zustande kommt. Er zieht einen provokativen Vergleich zwischen Rentnern, die von Zinsen leben, und Straßenräubern, die sich das Eigentum anderer aneignen. Diese Aussage regt dazu an, über die moralische Rechtfertigung von Einkommen und Besitz nachzudenken, insbesondere wenn diese ohne aktiven Beitrag zum Gemeinwohl entstehen.
Die Reflexion über dieses Zitat zeigt, dass Rousseau ein Ideal von Arbeit und Leistung vertritt, bei dem Wohlstand durch aktive Teilnahme an der Gesellschaft und nicht durch Passivität erlangt werden sollte. Seine Worte werfen Fragen auf über die Verteilung von Ressourcen und die Legitimität von passivem Einkommen, wie es in modernen Finanzsystemen üblich ist. Zugleich könnte seine Kritik als einseitig empfunden werden, da sie die Komplexität moderner wirtschaftlicher Strukturen und die legitimen Bedürfnisse älterer oder nicht erwerbsfähiger Menschen außer Acht lässt.
Das Zitat inspiriert dazu, den eigenen Umgang mit Arbeit, Besitz und gesellschaftlicher Verantwortung zu hinterfragen. Es fordert uns auf, über die ethischen Grundlagen von Einkommen und Reichtum nachzudenken und die Bedeutung von aktiver Beteiligung am gesellschaftlichen Leben zu reflektieren. Rousseaus Worte sind ein Aufruf, nicht nur materielle Werte zu hinterfragen, sondern auch die moralischen Prinzipien, die sie legitimieren.
Zitat Kontext
Jean-Jacques Rousseau, einer der einflussreichsten Philosophen der Aufklärung, plädierte für eine Gesellschaft, die auf Gleichheit, Gerechtigkeit und aktiver Teilnahme ihrer Mitglieder basiert. Dieses Zitat spiegelt seine Kritik an sozialer Ungleichheit und den Missständen wider, die er in den sozialen und wirtschaftlichen Strukturen seiner Zeit wahrnahm.
Im historischen Kontext war Rousseau ein Verfechter der Idee, dass Legitimität und Würde durch Arbeit und aktive Teilnahme am Gemeinwesen entstehen. Seine Kritik am Müßiggang richtete sich vor allem gegen die Aristokratie und andere Privilegierte, die von Erbschaften oder Zinsen lebten, während der Großteil der Bevölkerung hart arbeiten musste, um zu überleben.
Auch heute bleibt dieses Zitat relevant, da es Fragen über soziale Gerechtigkeit, die Ethik passiven Einkommens und die Verantwortung des Einzelnen in einer Gemeinschaft aufwirft. Rousseaus Einsicht lädt dazu ein, über die gerechte Verteilung von Ressourcen und die Verpflichtungen nachzudenken, die mit Wohlstand einhergehen sollten.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean-Jacques Rousseau
- Tätigkeit:
- französischsprachiger Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion