Wenn man seine Seele dem Teufel verschreibt, so ist er verpflichtet, einem durch's ganze Leben zu dienen, das weiß jedes Kind. Oder glaubst du, ich werd' mich um dreißig Dukaten und einen alten Kaput (Soldatenmantel) holen lassen von dir? Pfui Teufel! Ich will herrlich und in Freuden leben, Wonne, Entzücken, Reichtum, Überschwenglichkeit… Verstanden?

- Johann Nepomuk Nestroy

Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat

Johann Nepomuk Nestroys Zitat ist eine spöttische und tiefgründige Auseinandersetzung mit der menschlichen Gier, den eigenen Ansprüchen und der moralischen Korruption. Es nimmt das bekannte Motiv des Teufelspakts auf, verdreht jedoch die Dynamik: Der Sprecher sieht sich in einer Position der Verhandlungsmacht und fordert nicht weniger als das ultimative irdische Glück im Austausch für seine Seele.

Die Aussage zeigt die Hybris des Menschen, der glaubt, die Kontrolle über das Übernatürliche oder das Schicksal selbst übernehmen zu können. Statt Bescheidenheit oder Dankbarkeit spiegelt das Zitat einen maßlosen Anspruch wider – 'Wonne, Entzücken, Reichtum, Überschwenglichkeit' – und lässt dadurch die absurde Natur menschlicher Begehrlichkeiten aufscheinen. Die ironische Sprache Nestroys verstärkt diese Wirkung und lädt dazu ein, die Komik und Tragik dieses Anspruchs zu reflektieren.

Das Zitat regt an, über den Preis der eigenen Wünsche nachzudenken. Es wirft Fragen auf, wie: Was sind wir bereit zu opfern, um unsere Ziele zu erreichen? Und was geschieht, wenn unsere Wünsche keine Grenzen kennen? Es führt uns vor Augen, dass das Streben nach 'herrlich und in Freuden leben' eine Illusion sein könnte, wenn es ohne moralische und ethische Reflexion geschieht.

Kritisch betrachtet ist das Zitat ein Spiegel für die moderne Gesellschaft, in der oft ein ähnliches Streben nach materiellen Gütern und Vergnügen vorherrscht. Es zeigt die Gefahren, die entstehen, wenn man die langfristigen Konsequenzen aus dem Blick verliert und sich blind den Verlockungen des Augenblicks hingibt.

Zitat Kontext

Johann Nepomuk Nestroy, ein österreichischer Dramatiker und Satiriker des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seine scharfen gesellschaftlichen Kommentare und seine Fähigkeit, ernste Themen humorvoll und ironisch darzustellen. Das Zitat stammt aus einem seiner Werke, in denen er oft moralische und soziale Fragen aufgriff und sie durch die Linse des Theaters reflektierte.

Die Figur des Teufels, die Nestroy hier zitiert, war ein gängiges literarisches Motiv seiner Zeit, das insbesondere durch Goethe und seinen 'Faust' populär gemacht wurde. Während Faust jedoch einen hohen Preis für sein Streben nach Wissen und Macht zahlt, zeigt Nestroy eine komödiantische Seite des Pakts mit dem Teufel, in der die menschliche Gier und Überheblichkeit ins Lächerliche gezogen wird.

Historisch betrachtet, fällt das Zitat in eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, in der traditionelle Werte und Normen durch die aufkommende Industrialisierung und den Fortschritt hinterfragt wurden. Nestroy nutzt das Motiv des Teufelspakts, um diese moralische und soziale Ambivalenz zu beleuchten: Einerseits gibt es den Fortschrittsoptimismus, andererseits die Angst vor moralischem Verfall und Maßlosigkeit.

Heute ist das Zitat aktueller denn je, da es den modernen Drang nach exzessivem Konsum und sofortiger Befriedigung thematisiert. Es mahnt dazu, die Konsequenzen eines Lebensstils zu bedenken, der von kurzfristigem Gewinnstreben und unreflektierter Gier geprägt ist. Nestroy lädt uns ein, über die wahre Bedeutung von Glück und Erfüllung nachzudenken, bevor wir sie zu einem Preis suchen, den wir nicht zu zahlen bereit sind.

Daten zum Zitat

Autor:
Johann Nepomuk Nestroy
Tätigkeit:
österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
Epoche:
Biedermeier
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Emotion:
Keine Emotion