Wenn ich ein Buch in die Hand nehme, das ich schon einmal gelesen habe, weiß ich, was mich erwartet; die Befriedigung wird nicht dadurch geschmälert, dass man sie vorwegnimmt. Ich schüttle die Hand und schaue unserem alten, bewährten und geschätzten Freund ins Gesicht, tausche mich aus und plaudere eine Stunde lang.
- William Hazlitt

Klugwort Reflexion zum Zitat
William Hazlitts Zitat spiegelt eine tiefe Wertschätzung für die Vertrautheit und den Trost wider, den Bücher bieten können. Es beschreibt das Wiederlesen eines bekannten Buches als eine Begegnung mit einem alten Freund – ein Vergleich, der die emotionale Bindung unterstreicht, die Menschen zu Büchern entwickeln können. Diese Erfahrung ist weit mehr als bloßes Konsumieren von Text. Sie bietet die Möglichkeit, sich erneut mit den Ideen und Gefühlen auseinanderzusetzen, die beim ersten Lesen geweckt wurden, und sie in einem neuen Licht zu sehen, das von den Erfahrungen und der Reife seitdem geprägt ist.
Das Zitat erinnert uns daran, dass wahre Befriedigung nicht von Überraschungen abhängt, sondern von der Tiefe und Beständigkeit einer Verbindung. Ähnlich wie eine langjährige Freundschaft bringt das Wiederlesen eines Buches Vertrautheit und Sicherheit, ohne langweilig zu werden. Es zeigt, dass bestimmte Geschichten und Gedanken zeitlos sind und uns immer wieder inspirieren können.
Hazlitts Vergleich regt dazu an, die Praxis des Wiederlesens neu zu bewerten, insbesondere in einer Zeit, in der der Konsum neuer Inhalte oft Priorität hat. Das Wiederlesen ermöglicht nicht nur eine Wiederbegegnung mit den Inhalten, sondern auch mit uns selbst, indem wir reflektieren, wie wir uns seit dem ersten Lesen verändert haben. Es ist eine Übung in Reflexion und Wertschätzung für das Beständige in einer sich ständig verändernden Welt.
Zitat Kontext
William Hazlitt war ein einflussreicher Essayist und Literaturkritiker des 19. Jahrhunderts, dessen Werke oft von einer tiefen Bewunderung für die Kunst und das Leben geprägt waren. Dieses Zitat entstammt einem seiner Essays über die Freuden der Literatur und verdeutlicht seine Überzeugung, dass das Wiederlesen von Büchern eine besondere Art der Freude bereithält. In Hazlitts Zeit war das Wiederlesen von Büchern eine verbreitete Praxis, insbesondere da Bücher oft teuer und weniger zugänglich waren als heute. Das Wiederlesen war nicht nur ein Akt der Nostalgie, sondern auch ein Mittel, um sich mit den zeitlosen Ideen und Werten auseinanderzusetzen, die in der Literatur verkörpert sind.
Im historischen Kontext des frühen 19. Jahrhunderts boten Bücher für viele Menschen eine stabile Quelle von Weisheit und Trost in einer sich wandelnden Welt. Hazlitts Metapher, das Wiederlesen sei wie das Treffen mit einem alten Freund, reflektiert auch die sozialen Werte der Zeit, in der Beziehungen und Beständigkeit hoch geschätzt wurden. Sein Vergleich zeigt, wie Literatur nicht nur als Unterhaltungsmedium, sondern auch als emotionaler und intellektueller Begleiter wahrgenommen wurde.
Heute ist Hazlitts Sichtweise relevanter denn je. In einer Zeit, die von ständiger Innovation und neuen Inhalten geprägt ist, erinnert uns sein Zitat daran, dass die Wiederentdeckung von Vertrautem tief befriedigend sein kann. Es ist eine Einladung, innezuhalten und uns der Schönheit und Bedeutung zeitloser Werke bewusst zu werden, die uns durch die verschiedenen Phasen unseres Lebens begleiten und uns immer wieder neu inspirieren können.
Daten zum Zitat
- Autor:
- William Hazlitt
- Tätigkeit:
- englischer Essayist, Literaturkritiker und Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
- Mehr?
- Alle William Hazlitt Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion