Was das Studium einer tiefen Philosophie so sehr erschwert, ist, daß man im gemeinen Leben eine Menge von Dingen für so natürlich und leicht hält, daß man glaubt, es wäre gar nicht möglich, daß es anders sein könnte.
- Georg Christoph Lichtenberg

Klugwort Reflexion zum Zitat
Lichtenberg beschreibt hier eine der größten Herausforderungen philosophischen Denkens: Die Fähigkeit, vermeintlich selbstverständliche Dinge zu hinterfragen.
Im Alltag nehmen wir viele Gegebenheiten als selbstverständlich hin. Wir akzeptieren gesellschaftliche Normen, sprachliche Strukturen oder physikalische Gesetze, ohne sie weiter zu reflektieren. Doch die Philosophie erfordert genau das: Das Infragestellen dessen, was wir für natürlich oder unveränderlich halten.
Dieses Zitat erinnert uns daran, dass tiefes Denken oft darin besteht, über das Offensichtliche hinauszublicken. Was wir als selbstverständlich empfinden, ist möglicherweise nur eine kulturelle oder historische Konvention. Die Philosophie zwingt uns, Annahmen zu überprüfen und alternative Perspektiven in Betracht zu ziehen.
Sein Gedanke lädt uns ein, unsere eigene Weltsicht kritisch zu hinterfragen. Sind unsere Überzeugungen wirklich auf Wissen und Reflexion gegründet – oder nur auf Gewohnheit? Die Fähigkeit, selbst das ‚Normale‘ als fragwürdig zu betrachten, ist eine der größten Stärken des philosophischen Denkens.
Zitat Kontext
Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) war ein deutscher Physiker, Mathematiker und Philosoph, der besonders für seine aphoristischen Schriften bekannt ist.
Sein Zitat steht in der Tradition aufklärerischen Denkens. Die Aufklärung forderte dazu auf, nicht einfach zu akzeptieren, was als gegeben erscheint, sondern durch Vernunft und Analyse neue Einsichten zu gewinnen.
Im 18. Jahrhundert wurde vieles, was heute selbstverständlich erscheint – wie wissenschaftliche Methodik oder demokratische Prinzipien –, erst hinterfragt und entwickelt. Lichtenberg erkannte, dass eine der größten Hürden für tiefes Denken die Gewohnheit ist, Dinge als selbstverständlich anzusehen.
Seine Worte sind auch heute relevant. In einer Zeit, in der viele Menschen sich auf Traditionen oder unreflektierte Meinungen stützen, erinnert sein Zitat daran, dass wahre Erkenntnis oft dort beginnt, wo wir lernen, unsere tiefsten Annahmen zu hinterfragen. Die Philosophie zwingt uns dazu, die Welt nicht nur so zu sehen, wie sie uns erscheint, sondern darüber hinauszudenken.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Georg Christoph Lichtenberg
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller, Mathematiker, Physiker und Aphoristiker
- Epoche:
- Aufklärung
- Mehr?
- Alle Georg Christoph Lichtenberg Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion