Und so [...] gebe ich mit innigem Ernst das Buch hin, in der Zuversicht, daß es früh oder spät diejenigen erreichen wird, an welche es allein gerichtet sein kann, und übrigens gelassen darin ergeben, daß auch ihm in vollem Maße das Schicksal werde, welches in jeder Erkenntnis, also umso mehr in der wichtigsten, allezeit der Wahrheit zuteil ward, der nur ein kurzes Siegesfest beschieden ist, zwischen den beiden langen Zeiträumen, wo sie als paradox verdammt und als trivial geringgeschätzt wird.

- Arthur Schopenhauer

Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat

Schopenhauer beschreibt in diesem Zitat die Herausforderung, die Wahrheit zu erkennen und zu akzeptieren. Er nimmt Bezug auf das Schicksal von Erkenntnis und Wahrheit, die zunächst als paradox abgelehnt, später für eine kurze Zeit gefeiert und schließlich als banal oder selbstverständlich abgetan werden.

Diese Aussage offenbart Schopenhauers resignierte Akzeptanz eines zyklischen Prozesses, dem jede bedeutende Idee oder Erkenntnis unterworfen ist. Seine Zuversicht liegt darin, dass seine Werke irgendwann die richtigen Menschen erreichen werden – jene, die offen sind für tiefere Einsichten und bereit, sich mit unbequemen Wahrheiten auseinanderzusetzen. Gleichzeitig erkennt er an, dass Wahrheit oft nur eine kurze Phase der Wertschätzung erfährt, bevor sie von neuen Ideen verdrängt oder trivialisiert wird.

Das Zitat fordert uns auf, unsere Haltung gegenüber neuen und herausfordernden Ideen zu reflektieren. Wie oft verwerfen wir Konzepte, nur weil sie unserem bisherigen Verständnis widersprechen, oder verlieren die Wertschätzung für wahre Erkenntnisse, sobald sie alltäglich erscheinen? Schopenhauer erinnert daran, dass der Weg der Wahrheit selten einfach ist, aber dennoch von grundlegender Bedeutung bleibt.

In einer modernen Welt, in der Informationen und Meinungen oft schnell abgetan oder übersehen werden, bleibt diese Einsicht von großer Bedeutung. Sie ermutigt dazu, Geduld und Ausdauer im Streben nach Erkenntnis zu bewahren und sich nicht von der Reaktion der Masse entmutigen zu lassen.

Zitat Kontext

Arthur Schopenhauer war bekannt für seine philosophischen Ansichten, die oft die Unzulänglichkeiten menschlicher Natur und Gesellschaft thematisierten. Dieses Zitat stammt aus dem Vorwort zu einem seiner Werke und zeigt seine Überzeugung, dass tiefgründige Ideen oft lange Zeit brauchen, um anerkannt zu werden.

Historisch betrachtet war Schopenhauers eigenes Leben ein Beispiel für diese Dynamik. Zu Lebzeiten wurde er von seinen Zeitgenossen wie Hegel und Goethe überschattet, und seine Werke fanden erst nach seinem Tod breite Anerkennung. Dieses Zitat spiegelt seine Frustration, aber auch seine Gelassenheit angesichts des Schicksals wider, das bahnbrechenden Erkenntnissen oft zuteilwird.

Heute ist Schopenhauers Gedanke relevant in einer Welt, die sich oft durch schnelllebige Trends und die Suche nach Neuem auszeichnet. Seine Worte mahnen dazu, nicht nur auf die Popularität oder den Zeitgeist zu schauen, sondern sich mit Geduld und Ernsthaftigkeit mit Ideen auseinanderzusetzen, die langfristig von Bedeutung sein könnten. Es ist ein zeitloser Aufruf, der Wert des Wahrheitsstrebens zu schätzen, unabhängig von ihrer momentanen Anerkennung.

Daten zum Zitat

Autor:
Arthur Schopenhauer
Tätigkeit:
deutscher Philosoph
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion