Und in jeder ermüdeten sorgenden Mutter kam mir der alte Gedanke und die alte Freude entgegen, daß die Mütter unserem Geiste Wärme geben und die Väter Licht, daß wir jenen die frühere Anbrütung und warme Belebung des Herzens durch Liebe früher verdanken als diesen die Bereicherung des Kopfes, wie die neugeborne Taube einige Tage nur erwärmet werden muß, ehe sie geätzet zu werden braucht.

- Jean Paul

Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat

Jean Pauls Zitat ist eine poetische Hommage an die Rolle der Eltern in der Entwicklung eines Menschen. Er zeichnet ein liebevolles Bild der Mutter, die mit ihrer Wärme das Herz nährt, und des Vaters, der mit seinem Licht den Verstand erhellt. Diese Aufteilung spiegelt eine tiefe Wertschätzung für die unterschiedlichen, aber gleich wichtigen Beiträge beider Elternteile wider.

Das Bild der 'neugeborenen Taube', die zunächst nur Wärme benötigt, um zu gedeihen, unterstreicht die Bedeutung von Liebe und Geborgenheit in den frühen Jahren eines Kindes. Jean Paul erinnert uns daran, wie essenziell emotionale Nähe für die Entwicklung ist, bevor intellektuelle Bildung ihren Platz einnimmt. Seine Worte laden dazu ein, die Zärtlichkeit und Hingabe der Eltern zu würdigen, die oft unsichtbar, aber lebensprägend sind.

Das Zitat regt auch dazu an, über die Balance zwischen Herz und Verstand im Leben nachzudenken. Es fordert uns auf, die Liebe und die Wärme, die wir empfangen haben, bewusst weiterzugeben. Jean Pauls Gedanken sind eine bewegende Erinnerung daran, wie tief Elternschaft das Leben ihrer Kinder prägt – nicht nur in den sichtbaren, sondern vor allem in den unsichtbaren Momenten der Fürsorge.

Zitat Kontext

Jean Paul, geboren 1763 als Johann Paul Friedrich Richter, war ein deutscher Schriftsteller, der für seine einfühlsame und tiefgründige Prosa bekannt ist. Dieses Zitat stammt aus einer Zeit, in der Familie und Elternschaft zentrale Themen in der Literatur waren, insbesondere in der Romantik, die den Wert emotionaler Verbindungen und individueller Entwicklung betonte.

Jean Pauls Werk spiegelt die sozialen und kulturellen Vorstellungen seiner Zeit wider, in der Mütter oft als Verkörperung von Liebe und Fürsorge angesehen wurden, während Väter die Rolle der intellektuellen Erziehung einnahmen. Diese Dualität wurde nicht nur als selbstverständlich betrachtet, sondern auch als notwendige Grundlage für eine ganzheitliche Entwicklung des Kindes.

Das Bild der 'neugeborenen Taube' zeigt Jean Pauls Talent, komplexe Ideen in anschauliche Metaphern zu fassen. Seine Worte sind nicht nur eine Reflexion über die Eltern-Kind-Beziehung, sondern auch eine zeitlose Würdigung der Rollen, die Liebe und Wissen im Leben eines Menschen spielen. In einer Zeit, in der traditionelle Geschlechterrollen zunehmend hinterfragt werden, bleibt dieses Zitat relevant, da es die universelle Bedeutung von Wärme und Bildung für die menschliche Entwicklung betont.

Daten zum Zitat

Autor:
Jean Paul
Tätigkeit:
deutscher Schriftsteller
Epoche:
Romantik
Mehr?
Alle Jean Paul Zitate
Emotion:
Keine Emotion