Schmierbuch-Methode bestens zu empfehlen. Keine Wendung, keinen Ausdruck unaufgeschrieben zu lassen. Reichtum erwirbt man sich auch durch Ersparung der Pfennigs-Wahrheiten.
- Georg Christoph Lichtenberg

Klugwort Reflexion zum Zitat
Georg Christoph Lichtenberg betont in diesem Zitat die Bedeutung des schriftlichen Festhaltens von Gedanken und Beobachtungen. Seine sogenannte „Schmierbuch-Methode“ verweist auf seine eigene Praxis, Notizen, Reflexionen und Geistesblitze sofort niederzuschreiben, um sie nicht dem Vergessen anheimfallen zu lassen.
Diese Methode ist nicht nur eine Technik zur Ideenbewahrung, sondern auch ein Ausdruck seiner Überzeugung, dass Wissen aus kleinen Erkenntnissen zusammengesetzt wird – ähnlich wie Reichtum nicht durch große Sprünge, sondern durch konsequente Ersparnisse wächst. Die „Pfennigs-Wahrheiten“, also kleine, scheinbar unbedeutende Einsichten, summieren sich mit der Zeit zu einem Schatz an Wissen und Weisheit.
Das Zitat regt dazu an, über den Wert von kontinuierlichem Lernen und schriftlicher Reflexion nachzudenken. Wie oft vergessen wir wichtige Gedanken oder Ideen, weil wir sie nicht sofort notieren? Wie viel Wissen geht verloren, weil wir es nicht systematisch sammeln? Lichtenberg zeigt, dass intellektuelle Disziplin darin besteht, jede Erkenntnis – und sei sie noch so klein – zu bewahren und zu nutzen.
Kritisch könnte man fragen, ob jede Notiz wirklich wertvoll ist oder ob nicht manche Gedanken besser vergessen werden sollten. Doch Lichtenbergs Worte verdeutlichen, dass es nicht darum geht, alles festzuhalten, sondern darum, durch regelmäßige Reflexion und Aufzeichnung ein geistiges Fundament zu schaffen. Seine Methode ist ein Plädoyer für bewussten Umgang mit Wissen – eine Einsicht, die gerade in einer Welt voller Informationsflut aktueller denn je ist.
Zitat Kontext
Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) war ein deutscher Physiker, Schriftsteller und Aphoristiker, bekannt für seine geistreichen und oft humorvollen Beobachtungen über das Leben, die Wissenschaft und die menschliche Natur.
Das Zitat steht im Kontext seiner eigenen Praxis, Gedanken systematisch in Notizbüchern festzuhalten – den berühmten *Sudelbüchern*. Diese dienten ihm nicht nur als persönliches Gedankentagebuch, sondern wurden später auch zu einer der bedeutendsten Sammlungen von Aphorismen und Reflexionen der deutschen Literatur.
Historisch betrachtet, lebte Lichtenberg in einer Zeit der Aufklärung, in der wissenschaftliche Methodik und systematisches Denken eine zentrale Rolle spielten. Seine „Schmierbuch-Methode“ entsprach diesem Geist der Zeit: Erkenntnisse sollten nicht dem Zufall überlassen, sondern bewusst gesammelt und reflektiert werden.
Auch heute bleibt das Zitat hochaktuell. In einer Welt, in der Informationen ständig auf uns einströmen, zeigt Lichtenbergs Methode, wie wichtig es ist, Gedanken festzuhalten und bewusst zu verarbeiten. Seine Worte laden dazu ein, über die eigene Praxis des Lernens und der Wissensbewahrung nachzudenken – und vielleicht selbst ein Notizbuch zur Sammlung von „Pfennigs-Wahrheiten“ zu führen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Georg Christoph Lichtenberg
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller, Mathematiker, Physiker und Aphoristiker
- Epoche:
- Aufklärung
- Mehr?
- Alle Georg Christoph Lichtenberg Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion