Recht und Freiheit sind ein paar bedeutungsvolle, aber nur in der einfachen Zahl unendlich groß, drum hat man sie uns auch immer nur in der wertlosen vielfachen Zahl gegeben.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Nepomuk Nestroy kritisiert in diesem Zitat die scheinbare Großzügigkeit, mit der Recht und Freiheit in der Gesellschaft verteilt werden. Er spielt darauf an, dass diese Werte in ihrer idealen, reinen Form unermesslich kostbar sind – doch sobald sie in der Realität aufgeteilt und verwässert werden, verlieren sie ihre wahre Bedeutung.
Dieses Zitat lässt sich auf viele politische und gesellschaftliche Kontexte anwenden. Oft wird Freiheit versprochen, aber in einer eingeschränkten, regulierten oder manipulierten Form gewährt. Ähnliches gilt für Gerechtigkeit: Während das Ideal des Rechts groß und mächtig ist, zeigt sich in der Praxis oft, dass es durch Kompromisse und Machtverhältnisse abgeschwächt wird.
Das Zitat regt dazu an, über den Unterschied zwischen idealen Werten und ihrer realen Umsetzung nachzudenken. Was bedeutet Freiheit wirklich, wenn sie durch Gesetze und politische Interessen begrenzt wird? Ist das, was uns als Recht gegeben wird, wirklich ein Recht – oder nur eine schwache Kopie davon? Nestroy fordert uns auf, genau hinzusehen und nicht auf schöne Worte hereinzufallen, wenn es um fundamentale Werte geht.
Kritisch könnte man fragen, ob es überhaupt möglich ist, Recht und Freiheit in ihrer reinen Form aufrechtzuerhalten. Braucht jede Gesellschaft nicht gewisse Einschränkungen, um Stabilität zu gewährleisten? Doch Nestroys Worte erinnern uns daran, dass es oft eine Diskrepanz gibt zwischen dem, was versprochen wird, und dem, was tatsächlich gegeben wird. Sein Zitat lädt dazu ein, wachsam zu sein – und nicht jede angebliche Freiheit oder jedes angebliche Recht als vollwertig anzusehen.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862) war ein österreichischer Dramatiker und Satiriker, bekannt für seinen scharfsinnigen Humor und seine gesellschaftskritischen Stücke. Seine Werke spiegeln oft eine Skepsis gegenüber Machtstrukturen und politischen Versprechungen wider.
Das Zitat steht im Kontext seiner allgemeinen Kritik an politischen Systemen und sozialen Ungleichheiten. Nestroy hatte ein feines Gespür dafür, wie Begriffe wie „Recht“ und „Freiheit“ oft als leere Floskeln verwendet wurden, um die Menschen zufriedenzustellen, ohne ihnen echte Mitbestimmung oder Unabhängigkeit zu gewähren.
Historisch betrachtet, lebte Nestroy in einer Zeit des Wandels, in der politische Revolutionen und Reformbewegungen große Erwartungen weckten – die jedoch oft nur teilweise oder gar nicht erfüllt wurden. Seine satirische Perspektive reflektiert diese Enttäuschung über die Diskrepanz zwischen Ideal und Realität.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In einer Welt, in der Demokratien unter Druck stehen und Freiheitsrechte immer wieder neu verhandelt werden, stellt sich die Frage: Wie viel von dem, was uns als Freiheit verkauft wird, ist wirklich frei? Nestroys Worte laden dazu ein, nicht blind auf politische Versprechungen zu vertrauen, sondern kritisch zu hinterfragen, wie viel echte Freiheit und echtes Recht tatsächlich existieren.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
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- Emotion:
- Keine Emotion