Nebel am Wattenmeer Nebel, stiller Nebel über Meer und Land. Totenstill die Watten, totenstill der Strand. Trauer, leise Trauer deckt die Erde zu. Seele, liebe Seele, schweig und träum auch du.
- Christian Morgenstern
Klugwort Reflexion zum Zitat
Christian Morgenstern beschreibt in diesem Gedicht eine tief melancholische, fast transzendentale Atmosphäre.
Der Nebel legt sich über die Landschaft und hüllt sie in eine gedämpfte Stille. Die Natur scheint in einen Zustand der Ruhe oder sogar der Trauer überzugehen. Die Worte 'totenstill' und 'Trauer' unterstreichen diese Stimmung und laden den Leser ein, sich ebenfalls der Stille hinzugeben – nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich.
Diese Zeilen drücken eine Art kontemplative Versenkung aus. Die Natur und der Mensch verschmelzen in der Stille des Moments, und die Seele wird eingeladen, nicht gegen diese Ruhe anzukämpfen, sondern sich ihr hinzugeben – vielleicht als eine Form der inneren Einkehr oder des Träumens.
Besonders in unserer heutigen, hektischen Welt erinnert uns dieses Gedicht daran, dass Stille nicht bedrohlich oder beängstigend sein muss. Sie kann ein Raum der Reflexion sein, eine Einladung, das eigene innere Leben zu erkunden. Morgenstern mahnt uns, in Momenten der Melancholie nicht zu fliehen, sondern sie bewusst wahrzunehmen und als Teil des Lebens zu akzeptieren.
Zitat Kontext
Christian Morgenstern (1871–1914) war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker, bekannt für seine poetischen und oft tiefgründigen Werke.
Dieses Gedicht spiegelt seine Fähigkeit wider, Stimmungen in wenigen Worten eindrucksvoll zu transportieren. Die Verbindung von Natur und Seele war ein zentrales Thema seiner Lyrik. Insbesondere die Elemente von Stille, Nebel und Trauer lassen sich mit dem Symbolismus und der Romantik in Verbindung bringen.
Der historische Kontext zeigt, dass Morgenstern in einer Zeit lebte, in der die Natur als Spiegel der menschlichen Seele betrachtet wurde. Seine Texte nehmen oft eine fast meditative Perspektive ein und bieten Raum für persönliche Interpretation und Kontemplation.
Auch heute bleibt seine Botschaft relevant. In einer Welt, die selten zur Ruhe kommt, erinnert sein Gedicht daran, dass Stille und Melancholie keine Feinde sind – sie können Räume für tiefes Nachdenken, Träumen und innere Heilung eröffnen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Christian Morgenstern
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller und Dichter
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion