Menschen, die nach immer größerem Reichtum jagen, ohne sich jemals Zeit zu gönnen, ihn zu genießen, sind wie Hungrige, die immerfort kochen, sich aber nie zu Tische setzen.

- Marie von Ebner-Eschenbach

Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat

Marie von Ebner-Eschenbach beschreibt in diesem Zitat ein weit verbreitetes Paradoxon: Viele Menschen streben nach immer mehr Reichtum und Erfolg, doch sie nehmen sich nie die Zeit, das zu genießen, wofür sie so hart arbeiten. Sie sind wie Köche, die ununterbrochen Speisen zubereiten, aber sich selbst nie hinsetzen, um zu essen.

Diese Metapher verdeutlicht ein zentrales Problem unserer modernen Gesellschaft: Die ständige Suche nach Wachstum, Produktivität und Wohlstand führt oft dazu, dass Menschen den eigentlichen Sinn ihres Tuns aus den Augen verlieren. Das Leben wird zu einem unaufhörlichen Rennen nach mehr, ohne dass es jemals wirklich ausgekostet wird.

Das Zitat regt dazu an, über die eigene Lebensweise nachzudenken. Arbeiten wir nur für den nächsten Erfolg oder nehmen wir uns Zeit, die Früchte unserer Bemühungen zu genießen? Haben wir verlernt, innezuhalten und Zufriedenheit zu empfinden? Ebner-Eschenbach fordert dazu auf, nicht nur nach materiellem Wohlstand zu streben, sondern auch das Leben bewusst zu erleben.

Kritisch könnte man fragen, ob Streben nach mehr nicht auch ein natürlicher Teil menschlichen Ehrgeizes ist. Doch das Problem entsteht, wenn das Streben zum Selbstzweck wird und kein Raum mehr bleibt, um die Erfolge tatsächlich wertzuschätzen. Ihr Zitat lädt dazu ein, ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Genuss, zwischen Streben und Zufriedenheit zu finden.

Zitat Kontext

Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916) war eine österreichische Schriftstellerin, bekannt für ihre scharfsinnigen Beobachtungen über Gesellschaft und menschliche Natur. Sie schrieb oft über Themen wie Ethik, Glück und den Sinn des Lebens.

Das Zitat steht im Kontext ihrer kritischen Betrachtung der materialistischen Gesellschaft. Sie erkannte, dass viele Menschen sich in einem endlosen Kreislauf von Arbeit und Erfolgssuche befinden, ohne jemals wirklich innezuhalten und den Moment zu genießen.

Historisch betrachtet, lebte Ebner-Eschenbach in einer Zeit des industriellen Fortschritts, in der wirtschaftlicher Erfolg zunehmend zum Maßstab für gesellschaftlichen Status wurde. Ihre Worte waren eine Warnung davor, dass der Wert des Lebens nicht nur in materiellen Errungenschaften, sondern in der Fähigkeit zur Zufriedenheit liegt.

Auch heute bleibt das Zitat hochaktuell. In einer Welt, die oft von Leistungsdruck und Konsum getrieben wird, erinnert Ebner-Eschenbach daran, dass wahres Glück nicht darin liegt, immer mehr zu besitzen, sondern darin, das Leben bewusst zu genießen. Ihre Worte laden dazu ein, die Balance zwischen Ehrgeiz und Lebensfreude zu finden – und sich gelegentlich bewusst an den „Tisch“ zu setzen, anstatt nur weiter zu „kochen“.

Daten zum Zitat

Autor:
Marie von Ebner-Eschenbach
Tätigkeit:
Österreichische Schriftstellerin
Epoche:
Realismus
Mehr?
Alle Marie von Ebner-Eschenbach Zitate
Emotion:
Keine Emotion