Keine falschere Behauptung als die, jeder Mensch müsse im Leben wenigstens einmal lieben. Im Gegenteil, die wahre, die furchtbare Liebe gehört zu den größten Seltenheiten, und ihre Helden sind an den Fingern herzuzählen wie überhaupt alle Helden.
- Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marie von Ebner-Eschenbach stellt in diesem Zitat eine provokante und tiefgründige These auf, die das weitverbreitete romantische Ideal von der universellen Erfahrung der Liebe infrage stellt. Sie argumentiert, dass die wahre Liebe, die oft mit intensiver Hingabe und emotionaler Tiefe verbunden ist, eine seltene Ausnahme darstellt, die nur wenigen Menschen zuteilwird. Diese Sichtweise widerspricht dem kulturellen Narrativ, das Liebe als etwas Alltägliches und für jeden zugängliches darstellt.
Die Betonung der ‚furchtbaren Liebe‘ deutet darauf hin, dass wahre Liebe nicht nur eine Quelle der Freude ist, sondern auch mit großen Herausforderungen, Leiden und Opfern verbunden sein kann. Ebner-Eschenbach erhebt damit die wahre Liebe auf ein heroisches Niveau, indem sie diejenigen, die diese Liebe erleben und aushalten, mit Helden vergleicht. Diese Darstellung verleiht der Liebe eine seltene, fast heilige Qualität, die sie von oberflächlicher Zuneigung oder flüchtigen Gefühlen unterscheidet.
Das Zitat regt dazu an, über die Bedeutung von Liebe und die Erwartungen, die wir an sie stellen, nachzudenken. Es lädt ein, Liebe nicht nur als romantische Idee zu betrachten, sondern auch als eine kraftvolle und oft herausfordernde Erfahrung, die Mut und Hingabe erfordert. In einer Zeit, in der Liebe oft konsumorientiert oder flüchtig dargestellt wird, erinnert uns Ebner-Eschenbach daran, dass die tiefste Form der Liebe selten und kostbar ist.
Zitat Kontext
Marie von Ebner-Eschenbach, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre klugen und oft kritischen Beobachtungen der menschlichen Natur. In ihren Werken kombinierte sie eine scharfsinnige Analyse sozialer und emotionaler Phänomene mit einer tiefen Empathie für die inneren Konflikte und Herausforderungen des menschlichen Lebens.
Dieses Zitat stammt aus ihrem umfangreichen literarischen Werk, das oft existenzielle Themen wie Liebe, Moral und menschliche Schwächen behandelt. Ihre Darstellung der ‚furchtbaren Liebe‘ als seltenes und heroisches Phänomen steht im Kontrast zur romantischen Idealisierung der Liebe, die in ihrer Zeit, ebenso wie heute, in der Literatur und Kunst vorherrschend war. Ebner-Eschenbachs Worte sind geprägt von ihrer Beobachtungsgabe und ihrer Fähigkeit, universelle Wahrheiten mit einer Prise Ironie zu formulieren.
Das Zitat spiegelt auch die gesellschaftlichen Normen und Erwartungen ihrer Epoche wider, in der Liebe oft durch soziale Zwänge, Pflichten und wirtschaftliche Überlegungen geprägt war. Es bietet jedoch eine zeitlose Perspektive, die in jeder Epoche von Relevanz bleibt. Durch die Betonung der Seltenheit wahrer Liebe ermutigt Ebner-Eschenbach dazu, Liebe nicht nur als ein romantisches Ideal, sondern als eine anspruchsvolle, transformative Erfahrung zu betrachten. Ihre Aussage lädt dazu ein, die eigenen Vorstellungen von Liebe und Beziehungen kritisch zu hinterfragen und ihre Bedeutung neu zu bewerten.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marie von Ebner-Eschenbach
- Tätigkeit:
- Österreichische Schriftstellerin
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion