In jedem Jahrhundert müssen der Menschen mehre werden, deren innrer Mensch nicht Futter braucht, sondern Speise. – Das Edle, einmal entwickelt, kann sich wie die Wissenschaft nur fortpflanzen; ja Licht läßt sich leichter einschließen, aber Wärme nicht. Es kommt nicht darauf an, was zeitlicher, sondern was eigner Charakter der Menschheit ist.

- Jean Paul

Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat

Jean Paul thematisiert in diesem Zitat die Notwendigkeit einer inneren Entwicklung der Menschheit. Er unterscheidet zwischen „Futter“ und „Speise“, wobei ersteres bloße Grundbedürfnisse repräsentiert und letzteres für die Nahrung des Geistes und der Seele steht. Der „innere Mensch“ braucht also nicht nur das Materielle, sondern auch das Edle, das Inspirierende und das, was das Wesen der Menschheit weiterentwickelt.

Die Metapher, dass Licht sich leichter einschließen lässt als Wärme, illustriert die Schwierigkeit, das Edle und die moralische Entwicklung aufzuhalten. Während Wissen (Licht) gespeichert und begrenzt werden kann, breitet sich die innere Wärme – die menschliche Güte und das Streben nach dem Edlen – unaufhaltsam aus. Diese Wärme ist es, die den „eignen Charakter der Menschheit“ prägt und nicht bloß die zeitlich bedingten Umstände.

Das Zitat regt dazu an, die eigene innere Entwicklung zu hinterfragen und darüber nachzudenken, wie das Edle in der Menschheit weitergetragen werden kann. Es inspiriert dazu, nicht nur an kurzfristigen Zielen oder rein materiellen Bedürfnissen zu arbeiten, sondern nach Werten und Idealen zu streben, die langfristig Bestand haben. Jean Paul erinnert uns daran, dass wahre Menschlichkeit und Fortschritt nicht in der Anhäufung von Wissen oder Besitz liegen, sondern in der Entfaltung innerer Werte und ihrer Weitergabe an zukünftige Generationen.

Zitat Kontext

Jean Paul, ein Schriftsteller der deutschen Romantik, war bekannt für seine tiefgründigen Reflexionen über die menschliche Natur und die Gesellschaft. In einer Zeit, die von den Umwälzungen der Französischen Revolution und den aufkommenden wissenschaftlichen Fortschritten geprägt war, suchte er nach einer Balance zwischen Vernunft, Moral und emotionaler Tiefe.

Das Zitat steht in einem historischen Kontext, in dem die Menschheit zwischen materiellen Fortschritten und der Suche nach ethischen und spirituellen Werten hin- und hergerissen war. Jean Pauls Plädoyer für das „Edle“ und die „Speise“ der Seele spiegelt die romantische Sehnsucht nach einem tieferen, ganzheitlicheren Verständnis des Menschen wider.

Auch heute hat dieses Zitat eine zeitlose Relevanz, da es die Wichtigkeit innerer Werte in einer Welt betont, die oft von materiellen Zielen dominiert wird. Jean Pauls Worte sind eine Einladung, die Essenz der Menschlichkeit in den Vordergrund zu stellen und nach Idealen zu streben, die nicht nur uns selbst, sondern die gesamte Menschheit bereichern.

Daten zum Zitat

Autor:
Jean Paul
Tätigkeit:
deutscher Schriftsteller
Epoche:
Romantik
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Emotion:
Keine Emotion