In diesen Erzählungen von Liebe sehe ich immer nur eines: die Liebe als Selbstpreis. Selten oder nie, daß diese Menschen durch ihre Liebe zu einander wachsen wollen, daß sie sich über sich hinaus lieben. Daher denn auch die Übersättigung, ja der Ekel, der einen nach und vor derlei erfaßt, ein Verlangen, es möchte doch auch hier endlich eine neue Optik Platz greifen, eine tiefere, religiösere Betrachtung des Liebeslebens.
- Christian Morgenstern
Klugwort Reflexion zum Zitat
Christian Morgensterns Zitat regt dazu an, die Natur der Liebe und ihrer Darstellung in Erzählungen zu hinterfragen. Er kritisiert, dass Liebe häufig als Selbstpreis dargestellt wird, also als etwas, das primär dem Ego und der Selbstdarstellung dient, anstatt als etwas, das das gegenseitige Wachstum und die persönliche Weiterentwicklung fördert. Diese Perspektive deckt sich mit einer oberflächlichen Auffassung der Liebe, die oft in romantisierten Geschichten vermittelt wird.
Morgenstern beklagt eine Übersättigung und gar einen Ekel vor dieser flachen Darstellung, die weder das transformative noch das spirituelle Potenzial der Liebe ausschöpft. Er sehnt sich nach einer neuen Betrachtungsweise, einer „tieferen, religiöseren“ Perspektive, die die Liebe als etwas Heiliges und Erhebendes versteht. Diese Betrachtung legt nahe, dass wahre Liebe nicht nur die Beziehung zwischen zwei Menschen, sondern auch ihren Bezug zu einer höheren Wahrheit oder spirituellen Ebene umfassen sollte.
Das Zitat ist eine Aufforderung, Liebe nicht bloß als romantische oder körperliche Verbindung zu sehen, sondern als Weg zur Selbsttranszendenz und gemeinsamen Reifung. Es fordert uns auf, über konventionelle Darstellungen hinauszusehen und die Liebe als eine Möglichkeit zur inneren und äußeren Erhebung zu begreifen.
Zitat Kontext
Christian Morgenstern war ein Schriftsteller und Dichter, dessen Werke oft von einer tiefen philosophischen und spirituellen Dimension geprägt waren. Dieses Zitat reflektiert seine Kritik an den konventionellen Vorstellungen von Liebe, wie sie in der Literatur und Gesellschaft seiner Zeit dargestellt wurden. Im frühen 20. Jahrhundert war die Liebe in vielen Erzählungen stark romantisiert und oftmals auf äußere, weltliche Aspekte reduziert. Morgenstern hebt sich von dieser Tradition ab, indem er die spirituelle und transformierende Kraft der Liebe betont.
Seine Forderung nach einer „neuen Optik“ spiegelt auch die philosophischen Strömungen seiner Zeit wider, insbesondere die aufkommenden Ansätze, die Liebe nicht nur psychologisch, sondern auch metaphysisch zu betrachten. Diese Sichtweise steht in Kontrast zu der damals vorherrschenden, oft sentimentalen Darstellung von Liebe in Literatur und Kunst. Morgenstern plädiert für eine Betrachtung, die die Liebe nicht als Selbstzweck oder Ego-Spiel sieht, sondern als Weg zur spirituellen Verbindung und persönlichen Weiterentwicklung.
Das Zitat hat auch in der heutigen Zeit Bedeutung, da viele Diskussionen über Liebe und Beziehungen immer noch von oberflächlichen oder egozentrierten Vorstellungen geprägt sind. Es erinnert daran, dass wahre Liebe eine transformative Kraft haben sollte, die uns nicht nur näher zu anderen Menschen, sondern auch zu einem tieferen Verständnis von uns selbst und der Welt führen kann.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Christian Morgenstern
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller und Dichter
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion