Im ganzen Verlaufe des beschriebenen Hergangs kannst du immer beobachten, daß Glauben und Wissen sich verhalten wie die zwei Schalen einer Waage: in dem Maße, als die eine steigt, sinkt die andere.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Arthur Schopenhauer beschreibt hier das Spannungsverhältnis zwischen Glauben und Wissen. Er stellt sie als Gegenspieler dar, die sich gegenseitig beeinflussen: Je mehr Wissen zunimmt, desto weniger Raum bleibt für den Glauben – und umgekehrt.
Diese Aussage verdeutlicht eine grundlegende Erkenntnis der Aufklärung: Der wissenschaftliche Fortschritt hat oft dazu geführt, dass religiöse oder spirituelle Überzeugungen hinterfragt oder geschwächt wurden. Gleichzeitig zeigt Schopenhauer, dass Glaube oft dort Raum gewinnt, wo Wissen fehlt oder nicht eindeutig sein kann.
Dieses Zitat fordert uns auf, über unser eigenes Verhältnis zu Glauben und Wissen nachzudenken. Können beide nebeneinander existieren, oder schließen sie sich zwangsläufig aus? In welchen Bereichen unseres Lebens vertrauen wir auf Wissen, und wo spielt Glaube eine Rolle?
Besonders heute, in einer Zeit, in der wissenschaftliche Erkenntnisse oft im Spannungsfeld zu traditionellen Glaubensvorstellungen stehen, bleibt Schopenhauers Einsicht relevant. Er erinnert uns daran, dass unser Weltbild immer von diesem Balanceakt geprägt ist – und dass es darauf ankommt, wie wir persönlich dieses Verhältnis gestalten.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer (1788–1860) war ein deutscher Philosoph, bekannt für seine tiefsinnigen und oft pessimistischen Betrachtungen über die menschliche Natur und Erkenntnis.
Dieses Zitat steht im Kontext seiner philosophischen Auseinandersetzung mit Metaphysik und Epistemologie. Schopenhauer erkannte, dass Menschen dazu neigen, sich entweder auf Wissen oder auf Glauben zu stützen – je nachdem, welche Aspekte ihres Lebens sie gerade erfassen wollen.
Der historische Kontext zeigt, dass Schopenhauer in einer Zeit lebte, in der sich Wissenschaft und Rationalismus zunehmend gegenüber religiösen Dogmen durchsetzten. Seine Worte reflektieren die Debatte darüber, ob Wissen und Glauben koexistieren können oder ob das eine zwangsläufig das andere verdrängt.
Auch heute bleibt seine Botschaft bedeutend. In einer Welt, in der wissenschaftliche und spirituelle Weltbilder oft als unvereinbar dargestellt werden, erinnert uns sein Zitat daran, dass diese beiden Konzepte in einer ständigen Wechselbeziehung stehen – und dass die Frage nach ihrem Verhältnis eine der zentralen Herausforderungen des Denkens bleibt.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion