Ich habe oft auf dem Punkt gestanden, mit so viel Überzeugung zu glauben, daß man, um der Nachwelt zu gefallen, von der jetzigen gehaßt werden müßte, daß ich alles anzufallen Neigung fühlte.

- Georg Christoph Lichtenberg

Georg Christoph Lichtenberg

Klugwort Reflexion zum Zitat

Georg Christoph Lichtenberg bringt in diesem Zitat eine faszinierende Spannung zwischen der Gegenwart und der Nachwelt zum Ausdruck. Er erkennt, dass das Streben, etwas für die Nachwelt Bedeutendes zu schaffen, oft im Widerspruch zu den Normen, Erwartungen und Vorurteilen der eigenen Zeit steht. Diese Einsicht führt zu einer provokanten Haltung: die Neigung, alles anzugreifen und sich bewusst gegen die Konventionen der Gegenwart zu stellen, um eine größere Wahrheit oder ein dauerhaftes Vermächtnis zu schaffen.

Lichtenbergs Reflexion wirft die Frage auf, wie sehr wir uns von der Anerkennung durch unsere Zeitgenossen beeinflussen lassen. Es erfordert Mut, Überzeugungen zu vertreten, die der aktuellen Meinung widersprechen, und die Möglichkeit zu akzeptieren, zu Lebzeiten unverstanden oder abgelehnt zu werden. Doch genau dieser Mut kann notwendig sein, um bahnbrechende Ideen oder Werke zu schaffen, die von späteren Generationen geschätzt werden.

Das Zitat inspiriert dazu, den eigenen Wert und die Bedeutung des Handelns nicht ausschließlich durch die Augen der Gegenwart zu betrachten. Es fordert auf, für Prinzipien einzustehen, auch wenn sie auf Widerstand stoßen, und erinnert daran, dass wahre Größe oft erst im Nachhinein erkannt wird.

Zitat Kontext

Georg Christoph Lichtenberg, ein herausragender Vertreter der Aufklärung, lebte in einer Zeit, in der traditionelle Denkweisen zunehmend hinterfragt wurden. Sein Zitat spiegelt die geistige Unruhe und den kritischen Geist seiner Epoche wider, in der neue Ideen oft auf massiven Widerstand stießen. Viele bedeutende Denker seiner Zeit – von Galileo bis Rousseau – wurden zu Lebzeiten missverstanden oder verfolgt, doch ihre Werke gewannen später enorme Bedeutung.

Historisch gesehen spricht Lichtenberg hier eine zeitlose Herausforderung an: den Konflikt zwischen Innovation und Tradition. Seine Worte finden auch heute Resonanz, da mutige, neue Ideen oft auf Skepsis und Widerstand stoßen, bevor sie gesellschaftliche Akzeptanz finden. Sein Zitat ist eine Ermutigung, den Mut aufzubringen, trotz Widerständen für langfristig bedeutungsvolle Ziele einzutreten. Lichtenbergs scharfsinnige Beobachtung bleibt eine zeitlose Mahnung an alle, die das Ziel haben, etwas von bleibendem Wert zu schaffen.

Daten zum Zitat

Autor:
Georg Christoph Lichtenberg
Tätigkeit:
deutscher Schriftsteller, Mathematiker, Physiker und Aphoristiker
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion