Heutzutage hat die Besitzgier ein solches Ausmaß angenommen, dass es in der Natur nichts mehr gibt, aus dem man nicht Profit schlagen könnte, egal ob es heilig oder profan ist.

- Erasmus von Rotterdam

Erasmus von Rotterdam

Klugwort Reflexion zum Zitat

Erasmus von Rotterdam kritisiert in diesem Zitat die grenzenlose Gier nach Besitz und Profit. Er beschreibt eine Welt, in der nichts mehr frei oder unantastbar ist – alles wird kommerzialisiert, selbst das Heilige und das Profane.

Diese Betrachtung verweist auf ein tiefgehendes moralisches Dilemma: Wie weit darf wirtschaftliches Denken gehen, bevor es grundlegende Werte zerstört? Wenn selbst spirituelle oder kulturelle Güter der Profitlogik unterworfen werden, was bleibt dann noch von ihrem ursprünglichen Wert?

Das Zitat regt dazu an, über unsere eigene Gesellschaft nachzudenken. Ist unsere Welt heute nicht noch stärker von Konsum und Profitdenken geprägt? Gibt es noch etwas, das nicht kommerzialisiert wurde? Erasmus fordert uns auf, den Einfluss der Besitzgier zu hinterfragen – und nach Alternativen zu suchen, die nicht alles dem ökonomischen Nutzen unterwerfen.

Kritisch könnte man fragen, ob wirtschaftlicher Fortschritt nicht auch positive Seiten hat. Ist es nicht legitim, Ressourcen effizient zu nutzen? Doch Erasmus’ Zitat ist keine pauschale Ablehnung von Handel oder Besitz – es ist eine Warnung vor der Maßlosigkeit. Seine Worte laden dazu ein, nicht alles dem Profitstreben unterzuordnen und den Wert von Dingen auch jenseits ihres Marktpreises zu erkennen.

Zitat Kontext

Erasmus von Rotterdam (1466–1536) war ein bedeutender Humanist und Theologe der Renaissance. Er setzte sich kritisch mit der Kirche, aber auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander, die er als unmoralisch empfand.

Das Zitat steht im Kontext seiner generellen Kritik an Korruption, Machtmissbrauch und der zunehmenden Kommerzialisierung von allem, was einst als unantastbar galt. Erasmus war ein Vordenker, der sich gegen eine Welt aussprach, in der alles zur Ware wird.

Historisch betrachtet, lebte Erasmus in einer Zeit, in der sich das Wirtschaftssystem wandelte und der Kapitalismus erste Formen annahm. Seine Worte können als frühe Warnung verstanden werden – eine, die auch Jahrhunderte später nicht an Relevanz verloren hat.

Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In einer Welt, in der alles – von natürlichen Ressourcen bis zur Kultur – zu einem Produkt gemacht wird, stellt sich die Frage: Gibt es noch Grenzen für das Profitdenken? Erasmus’ Worte laden dazu ein, über den Preis unserer Wirtschaftlichkeit nachzudenken – und darüber, welche Werte wir bewahren wollen, bevor sie dem Profitstreben zum Opfer fallen.

Daten zum Zitat

Autor:
Erasmus von Rotterdam
Tätigkeit:
niederländischer Gelehrter
Epoche:
Spätrenaissance / Manierismus
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Emotion:
Keine Emotion