Ha! Daß wir nicht unmittelbar mit den Augen malen! Auf dem langen Wege aus dem Auge durch den Arm in den Pinsel, wieviel geht da verloren.
- Gotthold Ephraim Lessing

Klugwort Reflexion zum Zitat
Gotthold Ephraim Lessings Zitat ist eine poetische Klage über die Unvollkommenheit menschlicher Ausdrucksfähigkeit. Es beschreibt die Diskrepanz zwischen der unmittelbaren Wahrnehmung, wie sie durch das Auge erlebt wird, und der Schwierigkeit, diese Wahrnehmung präzise in eine künstlerische oder kreative Form zu übertragen. Der ‚lange Weg‘ symbolisiert die technische und kognitive Herausforderung, das, was wir sehen und empfinden, vollständig und unverfälscht darzustellen.
Die Aussage regt dazu an, über die Grenzen des menschlichen Ausdrucks nachzudenken. Wie oft gelingt es uns nicht, das, was wir fühlen, sehen oder denken, so auszudrücken, wie wir es wahrnehmen? Dieser Verlust, den Lessing anspricht, ist nicht nur auf die bildende Kunst beschränkt, sondern lässt sich auf alle Formen menschlichen Ausdrucks übertragen – sei es Sprache, Musik oder Literatur. Es ist der universelle Kampf des Künstlers oder Schöpfers, das Innere in die äußere Welt zu tragen.
Das Zitat lädt uns auch dazu ein, über die Schönheit und den Wert des Unvollkommenen nachzudenken. Obwohl ‚viel verloren geht‘, liegt in diesem Verlust auch die Essenz menschlicher Kreativität: Der Versuch, das Unaussprechliche zu greifen, erzeugt oft neue und überraschende Formen von Ausdruck, die nicht weniger wertvoll sind.
Lessings Worte erinnern daran, dass der Akt des Schaffens immer ein Ringen mit den eigenen Grenzen ist – ein Ringen, das ebenso frustrierend wie erfüllend sein kann. Sie inspirieren uns, nicht nur die Perfektion anzustreben, sondern den Wert im Prozess selbst zu erkennen und die Bruchstellen und Unvollkommenheiten als Teil des schöpferischen Weges zu akzeptieren.
Zitat Kontext
Gotthold Ephraim Lessing, ein bedeutender Dramatiker und Theoretiker der Aufklärung, war bekannt für seine Auseinandersetzung mit Kunst, Literatur und menschlichem Ausdruck. Dieses Zitat passt in den Kontext seiner Schriften zur Ästhetik, insbesondere seiner Reflexionen über die Herausforderungen der Kunst und der Kommunikation.
Im 18. Jahrhundert, als Lessing lebte, wurde die Kunst zunehmend als ein Mittel angesehen, die Wahrheit und Schönheit der Welt darzustellen. Doch Lessing, mit seiner analytischen und kritischen Herangehensweise, erkannte die Grenzen dieses Anspruchs. Sein Zitat könnte als eine ehrliche Einsicht in die Schwierigkeiten der künstlerischen und kreativen Arbeit verstanden werden – ein Prozess, der immer von den Unzulänglichkeiten des Mediums und des Menschen geprägt ist.
Heute bleibt das Zitat relevant, da es die universelle Erfahrung von Künstlern und Kreativen beschreibt. In einer Zeit, in der Technologie und Innovation neue Möglichkeiten bieten, die Welt darzustellen, erinnert Lessing daran, dass das Streben nach Perfektion ein ewiges menschliches Anliegen ist – eines, das uns lehrt, sowohl die Schönheit als auch die Grenzen unseres Ausdrucks zu schätzen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Gotthold Ephraim Lessing
- Tätigkeit:
- deutscher Dichter, Schriftsteller, Philosoph und Dramatiker
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion