Es gibt wenige böse Menschen, und doch geschieht so viel Unheil in der Welt; der größte Teil dieses Unheils kommt auf Rechnung der vielen, vielen guten Menschen, die nichts weiter als gute Menschen sind.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Nepomuk Nestroy zeigt in diesem Zitat eine nachdenkliche Perspektive auf das Böse in der Welt. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass das meiste Unheil von bösartigen Individuen ausgeht, argumentiert er, dass die Mehrheit der Probleme von 'guten Menschen' verursacht wird, die passiv bleiben oder nicht aktiv gegen Ungerechtigkeit vorgehen.
Diese Beobachtung wirft ein wichtiges moralisches Dilemma auf: Ist es genug, einfach 'gut' zu sein, wenn man dadurch zulässt, dass Ungerechtigkeit und Leid geschehen? Moralische Integrität erfordert oft mehr als nur gute Absichten – sie erfordert Handeln.
Das Zitat fordert uns auf, über unsere eigene Rolle in der Gesellschaft nachzudenken. Sind wir nur Zuschauer, die Unrecht passiv hinnehmen? Oder übernehmen wir Verantwortung für das, was um uns herum geschieht?
Letztendlich erinnert Nestroy daran, dass Passivität nicht dasselbe ist wie Tugend. Wer sich darauf verlässt, dass andere für Gerechtigkeit kämpfen, trägt indirekt dazu bei, dass Ungerechtigkeit bestehen bleibt. Wahre Güte zeigt sich nicht nur in Absichten, sondern in konkreten Taten.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy war ein Meister der Gesellschaftssatire. In seinen Werken setzte er sich immer wieder mit der Frage auseinander, warum in der Welt so viel Ungerechtigkeit herrscht, obwohl die meisten Menschen sich selbst als 'gut' betrachten.
Das Zitat spiegelt eine verbreitete philosophische Einsicht wider, die auch von Denkern wie Hannah Arendt in ihrer Theorie der 'Banalität des Bösen' aufgegriffen wurde: Nicht nur bösartige Menschen verursachen Unrecht, sondern auch diejenigen, die es geschehen lassen.
Zur Zeit Nestroys war die Gesellschaft stark von sozialen Ungleichheiten geprägt. Politische Macht lag in den Händen weniger, während viele Menschen zwar unzufrieden waren, aber nicht aktiv gegen Ungerechtigkeit kämpften. Seine Worte sind eine Kritik an dieser Passivität.
Auch heute bleibt seine Einsicht aktuell. In einer Welt voller sozialer und politischer Herausforderungen zeigt sich immer wieder, dass Nichtstun oft genauso schädlich sein kann wie aktives Unrecht. Nestroy erinnert uns daran, dass wahre Moral nicht nur in guten Absichten liegt – sondern im Mut, aktiv für das Richtige einzutreten.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
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- Emotion:
- Keine Emotion