Es gibt kein größeres Hindernis des Fortgangs in den Wissenschaften, als das Verlangen, den Erfolg davon zu früh verspüren zu wollen. Dieses ist munteren Charakteren sehr eigen; darum leisten sie auch selten viel; denn sie lassen nach und werden niedergeschlagen, sobald sie merken, daß sie nicht fortrücken. Sie würden aber fortgerückt sein, wenn sie geringe Kraft mit vieler Zeit gebraucht hätten.
- Georg Christoph Lichtenberg

Klugwort Reflexion zum Zitat
Georg Christoph Lichtenberg beschreibt in diesem Zitat eine wesentliche Herausforderung des wissenschaftlichen Fortschritts: die Ungeduld. Er hebt hervor, dass das Bedürfnis, schnelle Erfolge zu erzielen, oft kontraproduktiv ist und dazu führt, dass Enthusiasmus in Enttäuschung umschlägt, sobald die Fortschritte nicht wie erwartet eintreten. Lichtenberg betont die Bedeutung von Ausdauer und der Fähigkeit, langfristig und mit Maß an einem Ziel zu arbeiten, um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.
Dieses Zitat regt dazu an, das eigene Verhältnis zu Geduld und Durchhaltevermögen zu überdenken. Besonders in einer Zeit, in der schnelle Ergebnisse und unmittelbare Erfolge oft als Maßstab gelten, erinnert Lichtenberg daran, dass echte Erkenntnis und tiefe Errungenschaften Zeit und konstante Anstrengung erfordern. Seine Worte ermutigen dazu, kleine Fortschritte zu schätzen und nicht den Glauben an das eigene Vorankommen zu verlieren, auch wenn der Fortschritt langsam erscheint.
Das Zitat inspiriert dazu, die Tugenden von Geduld und Beharrlichkeit in den Mittelpunkt des eigenen Schaffens zu stellen. Es fordert auf, sich nicht von Rückschlägen oder Verzögerungen entmutigen zu lassen, sondern den Wert kontinuierlicher und ruhiger Arbeit zu erkennen. Lichtenbergs Einsicht ist eine zeitlose Mahnung, dass der Erfolg in den Wissenschaften – wie auch in vielen anderen Lebensbereichen – nicht in der Geschwindigkeit, sondern in der Beständigkeit liegt.
Zitat Kontext
Georg Christoph Lichtenberg, ein deutscher Physiker und Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, war bekannt für seine scharfsinnigen und oft satirischen Beobachtungen über die Wissenschaft und die menschliche Natur. Dieses Zitat spiegelt seine Erfahrung und Überzeugung wider, dass wissenschaftlicher Fortschritt nicht durch Eile, sondern durch Geduld und Beharrlichkeit erreicht wird.
Im historischen Kontext steht dieses Zitat in einer Zeit des Aufbruchs der Wissenschaften während der Aufklärung, als Rationalität und empirische Methodik an Bedeutung gewannen. Lichtenbergs Bemerkungen richten sich jedoch gegen eine Tendenz, die auch heute noch besteht: der Wunsch nach sofortigen Ergebnissen in einer Welt, die zunehmend von Effizienz und Geschwindigkeit geprägt ist.
Heute ist dieses Zitat besonders relevant, da es daran erinnert, dass Fortschritt in Wissenschaft, Kunst oder persönlicher Entwicklung Zeit und Hingabe erfordert. Es ist eine Einladung, die Langsamkeit und den Prozess des Lernens und Entdeckens zu schätzen und die Ungeduld zu überwinden, die oft die größten Errungenschaften behindert.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Georg Christoph Lichtenberg
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller, Mathematiker, Physiker und Aphoristiker
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion