Man wirft oft den Großen vor, daß sie sehr viel Gutes hätten tun können, das sie nicht getan haben. Sie könnten antworten: bedenkt einmal das Böse das wir hätten tun können und nicht getan haben.
- Georg Christoph Lichtenberg

Klugwort Reflexion zum Zitat
Lichtenberg weist hier auf eine oft übersehene Perspektive hin: Während Menschen in Machtpositionen für ihre Versäumnisse kritisiert werden, wird selten gewürdigt, welche negativen Taten sie bewusst unterlassen haben.
Er hinterfragt die einseitige Erwartungshaltung gegenüber 'den Großen' – seien es Politiker, Unternehmer oder andere einflussreiche Personen. Während man ihnen vorwirft, nicht genug Gutes getan zu haben, bleibt unbeachtet, dass sie auch vieles an Schaden hätten anrichten können, es aber nicht taten.
Dieses Zitat fordert uns auf, über unsere Urteile nachzudenken. Ist es fair, nur das Nichthandeln in eine negative Bewertung einzubeziehen, ohne die unterlassenen Fehltritte zu berücksichtigen? Oder sollte moralisches Handeln auch bedeuten, bewusst Schaden zu vermeiden?
Besonders heute, in einer Gesellschaft, die hohe Erwartungen an Führungspersönlichkeiten stellt, bleibt seine Beobachtung aktuell. Es erinnert uns daran, dass moralische Entscheidungen nicht nur aus aktiven Taten bestehen – sondern auch aus bewussten Unterlassungen von falschen Handlungen.
Zitat Kontext
Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) war ein deutscher Physiker und Satiriker, bekannt für seine scharfsinnigen und oft ironischen Reflexionen über Gesellschaft und Moral.
Dieses Zitat steht im Kontext seiner skeptischen Haltung gegenüber einseitigen moralischen Bewertungen. Lichtenberg erkannte, dass Menschen oft nach moralischer Perfektion von anderen verlangen, ohne dabei ihre eigene selektive Wahrnehmung zu hinterfragen.
Der historische Kontext zeigt, dass Lichtenberg in einer Zeit lebte, in der die Aufklärung die Rolle von Macht und Moral hinterfragte. Sein Zitat reflektiert eine tiefere Einsicht in die Mechanismen der öffentlichen Meinung und die oft unausgewogene Kritik an Entscheidungsträgern.
Auch heute bleibt seine Botschaft bedeutend. In einer Welt, in der Verantwortungsträger oft für ihre Versäumnisse kritisiert werden, erinnert uns sein Zitat daran, dass moralische Integrität nicht nur in guten Taten liegt – sondern auch in der bewussten Entscheidung, Böses zu vermeiden.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Georg Christoph Lichtenberg
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller, Mathematiker, Physiker und Aphoristiker
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion