Es gibt Gelegenheiten, in denen man sonst ganz wahrhaftigen Menschen keinen Glauben schenken darf. Zum Beispiel, dem Großmütigen, wenn er von seinen Ausgaben, und dem Sparsamen, wenn er von seinen Einnahmen spricht.

- Marie von Ebner-Eschenbach

Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat

Marie von Ebner-Eschenbach weist in diesem Zitat auf die subjektive Wahrnehmung und Selbstdarstellung von Menschen hin, selbst wenn sie in der Regel als aufrichtig gelten. Sie illustriert dies anhand der Großmütigen, die ihre Ausgaben möglicherweise übertreiben, um ihre Großzügigkeit hervorzuheben, und der Sparsamen, die ihre Einnahmen herunterspielen, um ihre Sparsamkeit zu betonen. Das Zitat legt nahe, dass auch ehrliche Menschen dazu neigen können, sich in einem besseren Licht darzustellen, besonders in Bereichen, die eng mit ihrem Selbstbild verknüpft sind.

Die Reflexion über dieses Zitat zeigt, wie universell diese Tendenzen sind. Menschen neigen dazu, Geschichten so zu erzählen, dass sie zu ihrem Narrativ passen, sei es aus Stolz, Scham oder der Suche nach Anerkennung. Ebner-Eschenbachs Beobachtung lädt dazu ein, Aussagen immer im Kontext ihrer emotionalen und sozialen Hintergründe zu betrachten, anstatt sie wörtlich zu nehmen. Sie fordert uns auf, hinter die Worte zu schauen und die Beweggründe zu verstehen, die diese Selbstdarstellung beeinflussen.

Das Zitat inspiriert dazu, nicht nur die Aussagen anderer kritisch, aber wohlwollend zu prüfen, sondern auch die eigene Darstellung zu reflektieren. Es fordert uns auf, ehrlich mit uns selbst zu sein und die menschliche Neigung zur Selbstinszenierung zu erkennen, ohne sie vorschnell zu verurteilen. Ebner-Eschenbachs Worte sind eine humorvolle, aber tiefgründige Erinnerung an die Subtilitäten der menschlichen Kommunikation.

Zitat Kontext

Marie von Ebner-Eschenbach, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre feinsinnigen Beobachtungen der menschlichen Natur und sozialen Dynamiken. Dieses Zitat spiegelt ihre Fähigkeit wider, mit einem Hauch von Ironie und Präzision menschliche Verhaltensweisen zu analysieren.

Im historischen Kontext lebte Ebner-Eschenbach in einer Zeit, in der gesellschaftlicher Status und Selbstdarstellung eine große Rolle spielten. Ihre Worte könnten als Kommentar auf die menschliche Tendenz gelesen werden, sich durch bestimmte Attribute – wie Großzügigkeit oder Sparsamkeit – sozial hervorzuheben.

Auch heute bleibt dieses Zitat aktuell, da es universelle Aspekte menschlicher Kommunikation und Selbstdarstellung anspricht. Es lädt dazu ein, zwischen den Zeilen zu lesen und die Absichten und Eigenheiten hinter den Worten zu erkennen. Ebner-Eschenbachs Einsicht ist ein zeitloser Aufruf, mit einem wohlwollenden und kritischen Blick die menschliche Natur zu betrachten.

Daten zum Zitat

Autor:
Marie von Ebner-Eschenbach
Tätigkeit:
Österreichische Schriftstellerin
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion