Die Zudringlichkeit einer Justiz, die die Beziehungen der Geschlechter reglementiert, hat stets noch der ärgsten Unmoral, die vom Strafgesetz nicht zu fassen ist, oder schweren Vergehungen und Verbrechen Vorschub geleistet.
- Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat
Karl Kraus kritisiert in diesem Zitat die Einmischung der Justiz in die privaten und intimen Beziehungen der Menschen. Seine Aussage deutet darauf hin, dass eine solche Reglementierung oft mehr Schaden anrichtet, als sie verhindert. Durch die Überregulierung der Geschlechterbeziehungen können moralische Verzerrungen entstehen, die zu Verstößen führen, die möglicherweise schlimmer sind als die ursprünglichen Probleme, die geregelt werden sollten.
Dieses Zitat regt dazu an, über die Grenzen staatlicher Eingriffe in das Privatleben nachzudenken. Es stellt die Frage, ob es nicht besser wäre, individuelle Freiheit und Selbstbestimmung zu fördern, anstatt Verhaltensweisen durch rechtliche Vorschriften zu erzwingen. Kraus’ scharfsinnige Beobachtung legt nahe, dass Moral nicht durch Gesetze geschaffen werden kann und dass übertriebene Kontrolle eher Misstrauen und Unrecht begünstigt.
Für den Leser ist dies eine Einladung, kritisch über die Rolle von Recht und Moral in der Gesellschaft nachzudenken. Es fordert dazu auf, die Auswirkungen staatlicher Kontrolle zu hinterfragen und abzuwägen, wann Gesetze tatsächlich zum Schutz der Menschen beitragen und wann sie unbeabsichtigte Konsequenzen nach sich ziehen.
Zitat Kontext
Karl Kraus, ein österreichischer Schriftsteller und Satiriker der frühen Moderne, war ein scharfer Kritiker gesellschaftlicher und politischer Zustände. Dieses Zitat spiegelt seine Ablehnung gegenüber einer Justiz wider, die intime und moralische Angelegenheiten reglementiert. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Normen stark von konservativen Werten geprägt waren, stellte Kraus die Legitimität solcher Eingriffe infrage.
Im historischen Kontext lässt sich seine Aussage auch als Reaktion auf die Doppelmoral seiner Epoche verstehen. Während öffentlich über Anstand und Moral gewacht wurde, blieben viele schwerwiegende soziale Missstände, wie Korruption oder Ungerechtigkeit, unberührt. Kraus fordert indirekt dazu auf, sich auf tatsächlich relevante Verbrechen zu konzentrieren, anstatt sich in moralische Regulierungen einzumischen.
Auch heute bleibt diese Kritik aktuell, da Debatten über die Grenzen staatlicher Kontrolle über persönliche Freiheiten immer wieder aufkommen. Kraus’ Worte erinnern daran, dass übermäßige Regulierung oft mehr Probleme schafft, als sie löst, und laden dazu ein, eine Balance zwischen Freiheit und rechtlicher Ordnung zu finden.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Karl Kraus
- Tätigkeit:
- österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion