Die Würze jeder Freude is ja die Dosis Schadenfreude, die dabei ins Spiel kommt. Hab ich ein Geld, so g'freut's mich, aber das Pikante daran is, daß andere kein Geld haben. Hab ich eine Equipage, so g'freut's mich, aber das Interessante daran is, daß andere z' Fuß gehen müssen. Hab ich eine Geliebte oder ein Weib, so g'freut's mich, aber die Pointe is doch das, wenn mich andre drum beneiden. Drum eine Geliebte, die nicht einen andern sitzen läßt wegen mir, so daß sich der andere halbtot kränkt, die könnt mich gar nicht glücklich machen.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
In diesem Zitat von Johann Nepomuk Nestroy wird auf humorvolle und zugleich kritische Weise die menschliche Neigung zur Schadenfreude thematisiert. Nestroy beschreibt, wie die Freude, die Menschen aus ihrem Besitz oder ihren Beziehungen ziehen, oft von dem Gefühl verstärkt wird, dass andere im Vergleich dazu etwas weniger haben oder nicht das Gleiche erleben. Die Freude wird hier nicht nur durch das Besitzen von Dingen oder das Erreichen von Zielen bestimmt, sondern durch das Wissen, dass andere dies nicht haben oder nicht erreichen können. Es ist die Schadenfreude, die das Glück noch würziger erscheinen lässt.
Nestroy macht einen scharfsinnigen Punkt darüber, wie das menschliche Glück nicht nur von positiven Aspekten wie Reichtum, Status oder Beziehungen abhängt, sondern auch von der Fähigkeit, die eigenen Privilegien im Vergleich zu anderen wahrzunehmen. In seiner Darstellung einer 'Geliebten', die nicht einmal einen anderen Mann wegen ihm 'sitzen lässt', zeigt er, dass wahres Glück in seiner Vorstellung auch davon abhängt, dass die anderen das eigene Glück bewundern oder beneiden. Diese Denkweise verweist auf die oft unbewussten, egoistischen und oberflächlichen Aspekte menschlicher Freude.
Das Zitat fordert dazu auf, sich selbst und die eigenen Quellen des Glücks zu hinterfragen. Nestroy spiegelt hier die ambivalente Beziehung zwischen echtem, innerem Glück und den oberflächlichen Quellen von Freude wider, die von der Missgunst anderer abhängen. Es regt an, die eigene Freude nicht durch das Leid oder den Mangel anderer zu definieren, sondern wahres Glück in der Wertschätzung des eigenen Lebens und der Beziehungen zu finden, ohne sich auf den Vergleich oder die Schadenfreude zu stützen.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy war ein bedeutender österreichischer Dramatiker und Satiriker des 19. Jahrhunderts. Besonders bekannt für seine scharfsinnigen Gesellschaftskritiken, widmete sich Nestroy in vielen seiner Werke den Schwächen und Eigenheiten des Menschen. In diesem Zitat zeigt er die Schattenseiten des menschlichen Glücks, die oft durch den Vergleich mit anderen und das Streben nach Anerkennung und Neid geprägt sind. Nestroy, ein Meister der Ironie, kritisierte immer wieder die Oberflächlichkeit und die egoistischen Triebe der Gesellschaft, die oft das wahre Glück verhindern.
Das Zitat lässt sich als eine Reflexion über die sozialen Hierarchien und das Bedürfnis nach sozialer Bestätigung deuten. Zu Nestroys Zeit war die Gesellschaft stark von sozialen Klassen und dem Streben nach Wohlstand geprägt, was in seinem Werk häufig als Ziel menschlichen Strebens und gleichzeitig als Quelle der Unglückseligkeit dargestellt wird. Die Vorstellung, dass der Besitz von Geld oder die Bewunderung durch andere Menschen das Leben bereichert, ist eine Kritik an der oberflächlichen Sichtweise des Glücks, die den wahren Wert des Lebens in den Vordergrund stellt.
In diesem Kontext bleibt Nestroys Perspektive über die Schadenfreude und die falschen Quellen des Glücks auch heute noch relevant, da sie eine Einladung zur Reflexion über die eigenen Werte und den wahren Ursprung des Glücks darstellt. Der Vergleich mit anderen und das Streben nach sozialer Anerkennung sind oft Anzeichen einer oberflächlichen Definition von Glück, die langfristig nicht zu innerer Erfüllung führen kann.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
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- Emotion:
- Keine Emotion