Die Reue, nicht aus Furcht vor den Folgen des Unrechts, die Reue einzig und allein aus dem Schmerz hervorgegangen, daß wir das Unrecht begehen konnten, ist die echteste, wahrste und vielleicht die bitterste Reue.
- Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marie von Ebner-Eschenbach beschreibt in diesem Zitat eine Form der Reue, die tiefer geht als bloße Angst vor Konsequenzen. Es handelt sich um eine Art Selbstreflexion, die den Schmerz darüber erkennt, dass man überhaupt zu einer ungerechten Handlung fähig war. Diese Form der Reue erfordert ein Maß an Selbstbewusstsein und moralischem Empfinden, das nicht selbstverständlich ist. Sie konfrontiert uns mit unserem eigenen Potenzial für Fehler und Schwächen und fordert uns auf, dieses ehrlich anzuerkennen.
Diese Art der Reue ist besonders schmerzhaft, da sie nicht durch äußere Faktoren gemildert werden kann. Sie ist unabhängig von Strafen oder Vergebung und wirkt allein im Inneren des Menschen. Die Echtheit dieser Reue zeigt sich darin, dass sie kein Ziel verfolgt, wie etwa Wiedergutmachung oder Absolution, sondern allein aus der Selbsterkenntnis und dem moralischen Schmerz entsteht. Solch eine Reue kann auch einen reinigenden Charakter haben, da sie den Menschen dazu zwingt, sich seinen Handlungen und deren Ursachen zu stellen.
Ebner-Eschenbachs Aussage fordert uns auf, über die Motivation unserer Reue nachzudenken. Bereuen wir nur, weil wir die Folgen fürchten, oder weil wir wahrhaftig bedauern, was wir getan haben? Diese Reflexion kann uns helfen, authentischer und verantwortungsbewusster zu handeln und uns selbst besser zu verstehen.
Zitat Kontext
Marie von Ebner-Eschenbach lebte in einer Zeit, in der moralische Werte und soziale Normen im Umbruch waren. Als Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts bewegte sie sich in einer Gesellschaft, die von strengen Hierarchien und moralischen Vorstellungen geprägt war, aber auch von den Herausforderungen der Moderne gezeichnet wurde. Ihre Werke, die oft von psychologischer Tiefe geprägt sind, zeigen ein besonderes Verständnis für die inneren Konflikte und moralischen Dilemmata des Menschen.
In diesem Zitat thematisiert sie die Reue als einen Akt der Selbstreflexion, der nicht von äußeren Umständen diktiert wird. Diese Perspektive passt zu ihrer humanistischen Weltsicht, die den Einzelnen in den Mittelpunkt stellt. Sie fordert eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln und der eigenen Moral, was im Kontext der damaligen Zeit, in der Schuld oft durch religiöse oder gesellschaftliche Strafen definiert wurde, eine progressive Haltung war.
Das Zitat kann auch als Antwort auf die moralischen Fragen ihrer Zeit gesehen werden: Wie sollen wir mit Schuld umgehen, und was bedeutet es, Verantwortung für unsere Handlungen zu übernehmen? Ebner-Eschenbachs Worte sind eine Einladung, die eigenen Beweggründe kritisch zu hinterfragen und nicht nur auf äußere Rechtfertigungen oder Verurteilungen zu achten. Sie betont die Bedeutung eines inneren, authentischen Prozesses der Reue, der unabhängig von sozialen oder religiösen Erwartungen ist.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marie von Ebner-Eschenbach
- Tätigkeit:
- Österreichische Schriftstellerin
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion