Die geschlechtliche Lust bei der Frau kann mit der Sonne verglichen werden, die milde und leicht und ständig die Erde mit ihrer warmen Glut durchdringt, auf, dass sie Früchte her vorbringe.
- Hildegard von Bingen

Klugwort Reflexion zum Zitat
Hildegard von Bingen beschreibt hier die geschlechtliche Lust der Frau in einer poetischen und metaphorischen Weise.
Sie vergleicht sie mit der Sonne, die sanft, stetig und lebensspendend ist – ein Kontrast zur oft impulsiven, zerstörerischen oder feurigen Darstellung männlicher Begierde in historischen und religiösen Kontexten. Damit entzieht sie dem Thema Sexualität die oft moralische oder schambehaftete Konnotation und stellt es als einen natürlichen, schöpferischen Vorgang dar.
Das Zitat fordert uns auf, über unsere gesellschaftlichen Vorstellungen von Lust und Geschlecht nachzudenken. Warum wurden weibliche Begierden historisch oft verdrängt oder kontrolliert? Und wie können wir eine natürliche und respektvolle Sichtweise auf Sexualität bewahren?
Hildegard erinnert uns daran, dass körperliche Lust nicht nur ein rohes Verlangen ist, sondern eine tiefe, organische Kraft – eine, die mit Natur, Schöpfung und Wärme verbunden ist.
Zitat Kontext
Hildegard von Bingen war eine Benediktinerin, Mystikerin und Universalgelehrte des Mittelalters. Ihre Schriften umfassten Theologie, Naturkunde und Medizin, wobei sie oft eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen propagierte.
Ihr Zitat steht im Kontext ihrer Auffassung vom menschlichen Körper als Teil der göttlichen Schöpfung. Anders als viele ihrer Zeitgenossen betrachtete sie Sexualität nicht nur als etwas Sündiges oder Gefährliches, sondern auch als eine Kraft, die – wenn sie in Einklang mit der Natur und der göttlichen Ordnung steht – schöpferisch und fruchtbar ist.
Auch heute bleibt ihre Sichtweise bemerkenswert. In einer Zeit, in der Sexualität oft entweder tabuisiert oder kommerzialisiert wird, erinnert uns Hildegard von Bingen daran, dass sie ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist – eine Energie, die weder unterdrückt noch entstellt, sondern als eine Quelle des Lebens betrachtet werden sollte.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Hildegard von Bingen
- Tätigkeit:
- dt. Mystikerin, Benediktinerin, Komponistin, Schriftstellerin, Heilerin, Philosophin
- Epoche:
- Hochmittelalter
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- Emotion:
- Keine Emotion