Die Bewunderung über die Abfolge einer Wirkung aus einer Ursache hört auf, so bald ich die Zulänglichkeit der Ursache zu ihr deutlich und leicht einsehe.
- Immanuel Kant

Klugwort Reflexion zum Zitat
Immanuel Kant beschreibt in diesem Zitat den Zusammenhang zwischen Wissen und Staunen. Sobald eine Ursache klar und verständlich erscheint, verschwindet das Staunen über deren Wirkung. Dieses Phänomen verdeutlicht den menschlichen Drang, Unbekanntes zu erforschen, wobei das Erreichen von Wissen das Gefühl des Wunders ablöst.
Kant regt hier zur Reflexion über das Verhältnis von Erkenntnis und Faszination an. Während Unwissenheit oft Neugier und Bewunderung weckt, führt das Verständnis der Zusammenhänge zu einer nüchterneren Betrachtung. Dies wirft die Frage auf, ob vollständiges Wissen möglicherweise die Fähigkeit zum Staunen mindert.
Das Zitat mahnt jedoch nicht, Erkenntnis zu vermeiden, sondern ermutigt dazu, die Balance zwischen Wissenserwerb und der Fähigkeit zum Staunen zu bewahren. Besonders in der Wissenschaft ist es wichtig, dass die Entdeckung neuer Zusammenhänge nicht das Staunen über die Komplexität der Natur verdrängt.
Diese Reflexion fordert dazu auf, sich die kindliche Neugier und Begeisterung zu bewahren – selbst dann, wenn die Ursachen bekannt sind. Das Staunen über die Schönheit und Ordnung der Welt sollte trotz wissenschaftlicher Erklärung nicht verloren gehen.
Zitat Kontext
Immanuel Kant war ein bedeutender Philosoph, der sich intensiv mit Erkenntnistheorie auseinandersetzte. In seinem Werk *Kritik der reinen Vernunft* untersuchte er die Bedingungen menschlicher Erkenntnis und stellte fest, dass unser Wissen durch Sinneserfahrung und Verstand geformt wird.
Das Zitat steht im Kontext der Aufklärung, einer Epoche, die den Wert von Wissen und Vernunft betonte. Kant plädierte dafür, den Mut zu haben, selbst zu denken (*Sapere aude!*), und forderte zur rationalen Erforschung der Welt auf.
Gleichzeitig erkannte er, dass die Entzauberung der Welt durch wissenschaftliche Erklärungen auch den Verlust des Staunens mit sich bringen kann. Diese Spannung zwischen Wissen und Faszination war für Kant ein zentrales philosophisches Thema.
Heute bleibt diese Thematik aktuell. In einer Welt, in der wissenschaftliche Erklärungen viele Geheimnisse gelüftet haben, erinnert Kants Gedanke daran, dass Staunen und Neugier wichtige Triebkräfte menschlicher Entwicklung bleiben.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Immanuel Kant
- Tätigkeit:
- Philosoph
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion