Der Mensch wird von keiner größeren Sorge geplagt, als schnell jemanden zu finden, dem er das große Geschenk der Freiheit, mit dem das unglückliche Geschöpf geboren wird, übergeben kann.

- Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Klugwort Reflexion zum Zitat

Dostojewski stellt hier eine provokante These über das menschliche Verhältnis zur Freiheit auf: Anstatt sie als wertvolles Gut zu bewahren, sucht der Mensch nach Möglichkeiten, sie abzugeben.

Dies spiegelt sich in vielen Lebensbereichen wider: Menschen geben ihre Verantwortung an Autoritäten ab, suchen nach Dogmen, Ideologien oder gesellschaftlichen Strukturen, die ihnen die Last eigener Entscheidungen abnehmen. Freiheit kann beängstigend sein, weil sie Verantwortung mit sich bringt.

Das Zitat fordert uns auf, über unser eigenes Verhältnis zur Freiheit nachzudenken. Wollen wir wirklich frei sein, oder suchen wir unbewusst nach jemandem, der uns diese Last abnimmt? Und wie oft opfern wir unsere Freiheit für Bequemlichkeit oder Sicherheit?

Zitat Kontext

Fjodor Dostojewski war ein russischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, dessen Werke oft die tiefsten psychologischen und existenziellen Fragen der menschlichen Natur behandeln.

Dieses Zitat erinnert an eine zentrale These seines Romans 'Die Brüder Karamasow', insbesondere an die Erzählung vom 'Großen Inquisitor', in der dargestellt wird, wie Menschen lieber ihre Freiheit gegen Sicherheit eintauschen.

Diese Idee bleibt auch heute relevant. In einer Zeit, in der Menschen sich oft nach starker Führung oder klaren Strukturen sehnen, stellt Dostojewski die Frage: Ist Freiheit ein Geschenk – oder eine Bürde, die wir schnellstmöglich loswerden wollen? Seine Worte laden dazu ein, über die wahre Bedeutung von Freiheit und Verantwortung nachzudenken.

Daten zum Zitat

Autor:
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Tätigkeit:
russischer Schriftsteller
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion