Der Fortschritt erdrückt uns mit Bedürfnissen; er macht die Bequemlichkeit von gestern zur Unbequemlichkeit von heute, und so genießen wir ein immer sorgenvolleres Glück.

- Emanuel Wertheimer

Emanuel Wertheimer

Klugwort Reflexion zum Zitat

Emanuel Wertheimer beschreibt in diesem Zitat die paradoxe Natur des Fortschritts und dessen Auswirkungen auf das menschliche Wohlbefinden.

Mit jedem technologischen oder gesellschaftlichen Fortschritt entstehen neue Bedürfnisse, die uns nicht nur Erleichterung bringen, sondern oft auch zusätzlichen Druck erzeugen.

Die Bequemlichkeiten, die gestern noch als Luxus galten, werden heute als selbstverständlich angesehen. Dies führt dazu, dass unser Anspruch an Komfort und Lebensstandard kontinuierlich steigt.

Doch anstatt uns dauerhaft glücklicher zu machen, verstärken diese gesteigerten Erwartungen unsere Sorgen – sei es durch das Streben nach immer mehr oder die Angst, den neuen Standards nicht gerecht zu werden.

Dieses Phänomen zeigt, dass Fortschritt nicht zwangsläufig Zufriedenheit schafft. Vielmehr verschiebt er die Maßstäbe für Glück, sodass es schwieriger wird, echte Zufriedenheit zu finden.

Das Zitat fordert den Leser auf, innezuhalten und darüber nachzudenken, ob Fortschritt wirklich immer einen positiven Einfluss auf das Leben hat oder ob er uns auch in eine Abhängigkeit von immer neuen Bedürfnissen treibt.

Es regt dazu an, den Unterschied zwischen wahrem Glück und durch Fortschritt auferlegten Erwartungen zu erkennen und bewusstere Entscheidungen zu treffen.

Zitat Kontext

Emanuel Wertheimer war ein scharfsinniger Kritiker der gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen seiner Zeit. Dieses Zitat spiegelt seinen Blick auf den Fortschritt im 19. Jahrhundert wider, einer Ära, die von Industrialisierung und rasanten technologischen Veränderungen geprägt war.

Im historischen Kontext entstanden durch den Fortschritt viele neue Möglichkeiten und Annehmlichkeiten, aber auch Herausforderungen, wie die zunehmende Entfremdung und das Aufkommen neuer sozialer Ungleichheiten.

Wertheimers Beobachtung, dass Fortschritt oft mit neuen Bedürfnissen und Sorgen einhergeht, ist tief in der philosophischen Tradition verankert. Bereits in der Antike wurde diskutiert, ob materieller Fortschritt wirklich zu mehr Glück führt.

Philosophisch knüpft das Zitat an Gedanken der Moderne an, die Fortschritt kritisch hinterfragen, wie zum Beispiel bei Rousseau oder den Vertretern der Frankfurter Schule.

Heute bleibt Wertheimers Aussage hochaktuell, da sie auf den Konsumismus und die ständige Verfügbarkeit neuer Technologien verweist. Sie erinnert daran, dass echter Fortschritt nicht nur durch äußere Innovationen, sondern auch durch innere Gelassenheit und bewussten Umgang mit Bedürfnissen definiert wird.

Daten zum Zitat

Autor:
Emanuel Wertheimer
Tätigkeit:
ungar. deutsch. österr. Aphoristiker und Schriftsteller
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion