Der alte Satz: Aller Anfang ist schwer, gilt nur für Fertigkeiten. In der Kunst ist nichts schwerer als Beenden und bedeutet zugleich Vollenden.

- Marie von Ebner-Eschenbach

Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat

Marie von Ebner-Eschenbach unterscheidet in diesem Zitat zwischen der Herausforderung des Beginnens bei praktischen Fertigkeiten und der Schwierigkeit des Abschließens in der Kunst. Während Fertigkeiten oft durch Übung und Routine erlernt werden können, fordert die Kunst nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch eine tiefere, kreative Reflexion. Das Beenden eines Kunstwerks ist mehr als nur ein technischer Abschluss – es ist der Moment, in dem Vollendung erreicht werden soll, sowohl in handwerklicher als auch in ästhetischer Hinsicht.

Diese Reflexion lädt dazu ein, über den kreativen Prozess nachzudenken. Der Anfang mag durch Unsicherheit geprägt sein, doch das Beenden verlangt Mut, Klarheit und die Fähigkeit, sich von Perfektionismus zu lösen. Ebner-Eschenbach erinnert uns daran, dass der Schaffensprozess in der Kunst erst mit einem Abschluss seine volle Bedeutung erlangt. Vollenden bedeutet nicht nur, etwas fertigzustellen, sondern auch, den Punkt zu finden, an dem das Werk für sich selbst steht.

In einer Gesellschaft, die oft auf den Anfang und die Innovation fokussiert ist, erinnert dieses Zitat daran, wie wichtig es ist, den kreativen Prozess bis zur Vollendung durchzuführen. Es ermutigt dazu, den Mut aufzubringen, ein Werk abzuschließen und es loszulassen, auch wenn dies mit Unsicherheit verbunden ist. Ebner-Eschenbachs Worte inspirieren, den Wert des Endes als Teil der künstlerischen Reise zu erkennen.

Zitat Kontext

Marie von Ebner-Eschenbach, eine österreichische Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre präzisen und klugen Beobachtungen über das menschliche Streben und den kreativen Prozess. Dieses Zitat spiegelt ihre tiefe Einsicht in die Herausforderungen wider, die das künstlerische Schaffen mit sich bringt.

Im historischen Kontext lebte Ebner-Eschenbach in einer Zeit, in der Kunst und Literatur eine zentrale Rolle in der gesellschaftlichen Reflexion spielten. Ihre Worte könnten als ein Kommentar auf den oft idealisierten kreativen Prozess verstanden werden, der in Wirklichkeit sowohl Disziplin als auch emotionales Engagement erfordert.

Heute bleibt dieses Zitat eine wertvolle Lektion für Künstler und Kreative. Es erinnert daran, dass das Beenden eines Werkes eine ebenso anspruchsvolle und bedeutungsvolle Phase ist wie der Anfang. Ebner-Eschenbachs Einsicht bietet Orientierung für alle, die sich in einem kreativen Prozess befinden, und fordert dazu auf, die Herausforderung des Abschließens als integralen Bestandteil der Kunst anzunehmen.

Daten zum Zitat

Autor:
Marie von Ebner-Eschenbach
Tätigkeit:
Österreichische Schriftstellerin
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion