Demnach ist Stolz die von innen ausgehende, folglich direkte Hochschätzung seiner selbst, hingegen Eitelkeit das Streben, solche von außen her, also indirekt zu erlangen.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Arthur Schopenhauer zieht in diesem Zitat eine feine, aber bedeutende Unterscheidung zwischen Stolz und Eitelkeit. Für ihn ist Stolz eine innere Haltung, eine authentische Selbstachtung, die auf der eigenen Einschätzung beruht. Eitelkeit hingegen ist das Bedürfnis, von anderen anerkannt zu werden, ein Streben nach äußerer Bestätigung.
Diese Unterscheidung ist tief philosophisch und psychologisch relevant. Stolz kann als gesunde Selbstachtung verstanden werden, die unabhängig von der Meinung anderer existiert. Ein Mensch, der stolz ist, braucht keine externe Bestätigung, da sein Wertgefühl aus sich selbst entspringt. Eitelkeit hingegen ist eine fragile Form der Selbstachtung, da sie auf äußeren Reaktionen beruht und daher von der Meinung anderer abhängt.
Das Zitat regt dazu an, über die eigene Motivation nachzudenken. Ist unser Selbstwertgefühl wirklich unabhängig, oder sind wir darauf angewiesen, von anderen gelobt und anerkannt zu werden? Schopenhauer zeigt auf, dass wahre innere Stärke aus Stolz entsteht, während Eitelkeit uns zu Sklaven der Meinungen anderer macht.
Kritisch betrachtet könnte man fragen, ob Stolz wirklich immer eine positive Eigenschaft ist. Kann Stolz nicht auch in Arroganz oder Selbstüberschätzung umschlagen? Ebenso könnte man argumentieren, dass Eitelkeit in Maßen ein natürlicher Antrieb ist, um sich weiterzuentwickeln und Anerkennung für Leistung zu erhalten. Doch Schopenhauers Worte erinnern daran, dass wahre innere Zufriedenheit nicht von äußerem Applaus, sondern von einem tiefen Selbstverständnis abhängt.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer (1788–1860) war ein deutscher Philosoph, dessen Denken stark von Pessimismus und einer tiefen Analyse menschlicher Triebe geprägt war. Er betrachtete das Leben als leidvolle Existenz und suchte nach Wegen, um sich von Illusionen und falschen Bedürfnissen zu befreien.
Das Zitat passt in den Kontext seiner allgemeinen Philosophie, in der er das menschliche Streben nach Anerkennung kritisch betrachtete. Für ihn war das Glück nicht in äußerem Erfolg oder Ruhm zu finden, sondern in der inneren Unabhängigkeit vom Urteil der Gesellschaft.
Historisch betrachtet, lebte Schopenhauer in einer Zeit, in der das Bürgertum zunehmend nach Prestige und Anerkennung strebte. Die Idee, dass wahres Selbstwertgefühl von innen kommt und nicht durch äußere Bewunderung genährt werden sollte, war daher ein Gegenentwurf zur damaligen Gesellschaft.
Auch heute bleibt das Zitat relevant. In einer Welt, die von sozialen Medien und äußerer Validierung geprägt ist, stellt sich die Frage, ob unser Selbstbild wirklich unabhängig ist. Schopenhauers Worte fordern uns auf, unseren eigenen Wert nicht von Likes, Anerkennung oder äußeren Erfolgen abhängig zu machen – eine Lektion, die in Zeiten digitaler Selbstdarstellung besonders wertvoll ist.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion